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Minimalismus mit Poesie

Ihre Passion steckt schon im Namen: Seit über 15 Jahren sind Heike und Harald Guggenbichler mit guggenbichlerdesign aktiv und mit Möbeln für Labels wie Tonon, Fermob, Rossin, Crassevig und Ton international erfolgreich. „Wir sind eine gute Kombination“, so Heike Guggenbichler im Gespräch über das Designerduo, Designsprache und -Bewusstsein, zündende Funken und Mehrwert und die aktuellsten Neuheiten.

Von Sylvia Pilar

 

Kreatives Duo: Heike und Harald Guggenbichler. © guggenbichlerdesign

Kreatives Duo: Heike und Harald Guggenbichler. © guggenbichlerdesign

Wie würdest du das Design von Guggenbichler beschreiben?

Die Handschrift ist auf jeden Fall reduziert. Es kommt natürlich ganz darauf an, was der Kunde will und was wiederum seine Kunden wollen. Wir sind ja sehr Kunden- und auch Endkonsumenten-orientiert. Es ist uns wichtig, dass die Produkte am Markt Erfolg haben. Aber wenn wir dürfen, dann sind wir gerne sehr minimalistisch. Da setzt auch unsere Philosophie an: Beschränke dich auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie. Dass immer noch ein bisschen Poesie dabei ist, ist uns wichtig.

 

Wie versteht ihr Poesie? Das ist ja ein großer, breiter Begriff.

Stimmt. So wirklich kann ich es auch nicht in Worte fassen. Auch Minimalismus ist subjektiv und bedeutet für uns funktionelles Design ohne irgendwelche unnötigen Schnörkel oder einen nicht erforderlicher Knick. Poesie ist, was das Herz und die Seele anspricht.

 

Hat es dann doch etwas mit einer gewissen Verspieltheit zu tun?

Für Top-Labels kreativ, gestaltete guggenbichlerdesign u.a. die Kollektion „Flower“ für Fermob. © Stephane-Rambaud

Für Top-Labels kreativ, gestaltete guggenbichlerdesign u.a. die Kollektion „Flower“ für Fermob. © Stephane-Rambaud

Kann sein, muss aber nicht sein.

 

Ein schmaler Grat zwischen Ästhetik und Poesie, oder?

Definitiv. Das ist sowieso die höchste Kunst. Man kann nicht immer einem Produkt eine Seele geben, es ist aber natürlich unser oberstes Ziel. Es geht um den Funken, der in uns beim Designen entfacht und auch auf den Endkunden überspringen soll. Das ist nicht immer einfach. Das Produkt muss ja auch ins Aufgabenheft des Herstellers passen. Als Designer ist man meistens sehr eingeschränkt. Es ist eine Kunst, das alles zu vereinen.

 

Poesie ist, was das Herz und die Seele anspricht.

 

Wo seid ihr kreativ und aktiv?

Mit „Sofie“ von Rossin gestaltete das Duo einen eleganten Sessel. © Rossin

Mit „Sofie“ von Rossin gestaltete das Duo einen eleganten Sessel. © Rossin

Wir haben ein eigenes Designstudio, arbeiten aber auch oft zuhause. Neben unserem Studio selbst haben wir eine Werkstatt, in der wir unsere Prototypen bauen. Das ist ein großer Vorteil. Denn wenn wir welche bauen wollen, dann sind wir sehr schnell. Manche Hersteller haben ja auch nicht die Kapazitäten und können unsere Ideen nicht so umsetzen, wie wir das wollen. Dann machen wir das eben selbst bei uns vor Ort.

 

Ihr arbeitet ja viel mit internationalen, aber kaum mit österreichischen Labels zusammen. Gibt es Gründe dafür?

Reduziert, gewürzt mit Poesie – die Designhandschrift trägt auch der Tisch „Salt&Pepper“ von Tonon. © Tonon

Reduziert, gewürzt mit Poesie – die Designhandschrift trägt auch der Tisch „Salt&Pepper“ von Tonon. © Tonon

An uns liegt es nicht. Der österreichische Markt ist ein ganz eigener, wir haben lang den Kontakt zu österreichischen Herstellern nicht aktiv gesucht, sind dem aber auch nicht verschlossen. Vielmehr würden wir sogar sehr gerne mit Österreichern zusammenarbeiten.

 

Woran scheitert dann die rot-weiß-rote Zusammenarbeit?

Gute Frage. Bei manchen Unternehmen an den finanziellen Vorstellungen, weil es die Unternehmensführung lange gepflegt hat, mit Architekten zusammen zu arbeiten, die ganz anders an den Designprozess heran gehen. Da wird meist in erster Linie für ein bestimmtes Projekt gestaltet. Firmenchefs verstehen oft auch nicht, dass man ein Entwicklungshonorar braucht, um eine richtige Designarbeit zu leisten, also die Konkurrenz zu beobachten, Marktanalysen zu machen und alles ordentlich aufzuarbeiten. Bei vielen Unternehmen gibt es keine Designkultur und auch kein Bewusstsein, dass unsere Leistung etwas wert ist, Zeit braucht und etwas kosten darf. Dabei haben wir viel Know-How und können natürlich einen Mehrwert in das Unternehmen bringen. Dieses Bewusstsein gibt es in vielen Unternehmen in Österreich nicht, aber nicht in allen, das muss man auch ganz klar sagen. Es gibt schon Firmen mit Designkultur, mit denen hat sich bisher aber noch keine Zusammenarbeit ergeben.

 

Es geht um den Funken, der in uns beim Designen entfacht und auch auf den Endkunden überspringen soll.

 

Wie gestaltet sich der Designprozess bei euch?

Die klare Designsprache à la guggenbichlerdesign… spricht u.a. die Lineo-Kollektion für Crassevig. © Crassevig

Die klare Designsprache à la guggenbichlerdesign… spricht u.a. die Lineo-Kollektion für Crassevig. © Crassevig

Als wir jung waren, haben wir mehr ins Blaue hinein gestaltet. Das hat sich mittlerweile geändert. Jetzt bekommen wir von unseren Kunden Informationen, was sie brauchen, können nach Briefings arbeiten und ihnen geben, was sie wollen. Dabei zeigen sich auch meilenweite Unterschiede: Manche wissen es ganz genau, manche nur so ungefähr. Deutsche Unternehmen sind zum Beispiel punktgenauer in der Analyse, was sie benötigen und wollen, italienische wiederum etwas lockerer und sind wesentlich flexibler. Für uns ist das extrem spannend, beides hat seinen Reiz. Der Prozess muss aber auch gut kalkuliert sein. Wir sind definitiv keine Künstler, wir sind Dienstleister und uns sind immer der Endkunde und der Erfolg am Markt extrem wichtig.

 

„Lampada“ von Tonon ist ein Highlight aus der Guggenbichler-Designfeder. © Tonon

„Lampada“ von Tonon ist ein Highlight aus der Guggenbichler-Designfeder. © Tonon

Wie lang arbeitet ihr also vom Kick-off bis das Produkt marktreif ist?

Das kommt ganz darauf an, wie tough und komplex das Produkt und wie gut die Zusammenarbeit ist. Je nachdem, dauert es von einem halben Jahr bis zu fünf Jahren, was dann schon wirklich mühsam ist. Designer sein ist manchmal schon ein harter Job.

 

Welchen Tipp würdest du Jungdesignern geben?

Sich gut zu überlegen, ob sie sich das wirklich antun wollen, viele Rückschläge einstecken können und ob sie wirklich genug finanzielle, aber auch psychische Ressourcen haben, um die Aufbauphase zu überstehen. Den Superstar-Designer gibt es eben nur zu 0,01 Prozent, und man muss dafür auch noch der Typ sein. Jedenfalls ist es ein echt hartes Business. Wir haben zum Glück internationalen Erfolge, eine nationenübergreifende Handschrift und sind im Team eine gute Kombination. Beflügelnd ist es dann wenn wir zum Beispiel auf Urlaub sind und irgendwo den eigenen Möbeln in einem Café begegnen.

 

Man muss sich abheben, braucht einen Mehrwert.

 

Ist Österreich ein guter Platz für Design?

Für stilvoll-modernen Sitzkomfort sorgt der von guggenbichlerdesign kreierte „Alpin“ von Haapo. © Haapo

Für stilvoll-modernen Sitzkomfort sorgt der von guggenbichlerdesign kreierte „Alpin“ von Haapo. © Haapo

Es hat sich in den letzten fünf Jahren viel getan. Natürlich hat es aus verschiedenen Richtungen viel Bewusstseinsarbeit gegeben und es hat sich einiges geändert. Vielleicht kommt auch die Wirtschaft endlich darauf: Man muss sich abheben, braucht einen Mehrwert, man kann nicht mehr so arbeiten wie früher. Designer können für genau diesen Input sorgen, dass sich die Produkte einfach abheben. Auch österreichische Unternehmer werden sich noch internationaler ausrichten müssen und wenn auf gute Designer gesetzt wird, kann man auch gemeinsam wachsen. Gutes Design kann Produkte und Unternehmen nach vorne bringen. Es ist auch für uns Designer schön, wenn das Produkt am Markt erfolgreich ist.

 

Wir arbeiten viel nach dem Sympathie-Prinzip.

 

Kleine oder große Labels – macht ihr einen Unterschied?

Nicht nur im In-, sondern auch im Outdoor setzt guggenbichlerdesign frische Akzente – wie mit „Origami“ von Fermob. © Caroline Briel

Im In- und Outdoor setzt das Designer-Duo Akzente – wie mit „Origami“ von Fermob. © Caroline Briel

Wir arbeiten viel nach dem Sympathie-Prinzip. Wir brauchen eine gute Basis mit den Firmenchefs, weil nur dann, wenn gut miteinander kommuniziert wird, kann auch das Produkt am Ende gut sein. Dass es persönlich funktioniert und harmoniert ist uns wichtig.
Und wir haben auch immer ein Auge darauf, dass die Produktion in Europa passiert und die Mitarbeiter gut behandelt werden. Das ist ebenso wichtig.

 

Sind Möbel die oder eine Spezialität von Guggenbichler design?

Möbel sind unser Kerngebiet, da sind wir sehr kompetent. Wir kreieren aber auch gerne andere Produkte. Sehr gerne sogar.

Möbel sind ihre Spezialität. „Wir kreieren aber auch gerne andere Produkte“, so Heike Guggenbichler, wie diesen Helikopter © guggenbichlerdesign

Möbel sind ihre Spezialität. „Wir kreieren aber auch gerne andere Produkte“, so Heike Guggenbichler. Eines von vielen Beispielen: Ein Helikopter © guggenbichlerdesign

Gerade bei anderen Projekten sind die Entwicklungsspannen teilweise wesentlich kürzer und es ist ein direkteres Erfolgserlebnis als bei Möbeln, für die wir ja am Ende des Designprozesses eine Datei an den Hersteller schicken und dann warten, bis wir das finale Produkt tatsächlich angreifen können. Wenn wir kleinere Produkte wie Accessoires selber entwickeln, bauen wir sie in unserer Werkstatt selbst, haben schnell Prototypen und begleiten das Projekt leichter bis zum Ende als bei einem Möbel, das beispielsweise aus Spritzschaum gefertigt wird. Daher sind wir auch dahingehend sehr offen und machen auch zum Beispiel Accessoire-Linien für Vereine, die mit beeinträchtigten oder behinderten Menschen arbeiten. Das wird zwar nicht so aktiv nach außen kommuniziert, wir verheimlichen es aber auch keinesfalls.

 

Apropos verheimlichen: Verrätst du, woran ihr gerade arbeitet?

An vielen Möbeln. Sehr stark im Outdoor-Bereich. Auf der imm cologne oder beim „Salone“ in Mailand werden diese präsentiert werden. Es wird einen neuen Polsterschaumsessel und einen neuen Tisch von uns geben, dazu wird es im nächsten Jahr ein paar Kollektionserweiterungen geben und eben mehrere Outdoor-Neuheiten. Erst im September ist übrigens eine von uns designte Liege für Fermob erstmals in Paris gezeigt worden. Die Sonnenliege ist uns wirklich gut gelungen, weil sie einfach total anders ist. Sie ist aus Rohr, bespannt, aber viel luftiger und leichter, eben anders als bekannte Liegen. In Paris haben wir dazu super Feedback erhalten und freuen uns, wenn sie jetzt auf den Markt kommt, genauso wie die vielen anderen Neuheiten aus unserer Designfeder.

 

 

Gutes Design kann Produkte und Unternehmen nach vorne bringen.

 

Viele Designer schielen auf den High-End-Bereich. Wo positioniert ihr euch?

Stets mit Stil und Style punkten die Kreationen, so auch „Surprising“ von Fermob. © Stephane Rambaud

Stets mit Stil und Style punkten die Kreationen, so auch „Surprising“ von Fermob. © Stephane Rambaud

Uns ist es wichtig, dass man sich die Möbel leisten kann, aber vor allem auch, dass sie beständig sind.

 

Hast du eigentlich ein Lieblingsstück, eines, auf das du besonders stolz bist?

Ja, da gibt es immer wieder ein paar und die ändern sich durchaus, weil manchmal auch einfach das Neueste mein Lieblingsstück ist. Wir lieben aber alle von uns designten Möbel und daher würde ich auch keines extra highlighten.

 

Gibt es eigentlich ein Traum-Objekt oder –Projekt, das ihr gerne umsetzen würdet?

Wir haben schon ein Traumprojekt: Wir arbeiten an unserem Holzhaus und einen Ofen würde ich gerne designen, ansonsten lassen wir unsere Kreativität einfach fließen.

 

www.guggenbichler.at

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