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Staatspreis Design 2013: The winner is

Am Abend des 24. September 2013 hatte das Warten ein Ende: Die Gewinner des Staatspreis Design 2013 wurden bekannt gegeben. Zur geladenen Abendveranstaltung waren neben den Juroren und Auslobern zahlreiche Architekten und Designer der heimischen Gestalterszene gekommen.

 

Im Zwei-Jahres-Takt

Der Staatspreis Design 2013 wurde verliehen. Foto: BMWFJ/design austria

Alle zwei Jahre wird der Staatpreis Design vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend ausgeschrieben. 2013 ist es bereits das 45. Mal. Ausgezeichnet werden dabei Designlösungen für Konsum- güter, Investitionsgüter und räumliche Gestaltung, an deren Realisierung österreichische Unternehmen und / oder österreichische Designer Anteil haben. Darüber hinaus werden mit dem Sonderpreis „DesignConcepts“ innovative Designkonzepte mit hoher Marktrelevanz und geeignetem Umsetzungspotenzial gewürdigt. 2013 gingen 166 Einreichungen ein, aus denen es insgesamt 24 in die engere Auswahl schafften. Schließlich wurden acht Projekte nominiert, aus denen pro Kategorie ein strahlender Sieger hervorging.

 

Preis-Frage

Für die diesjährige Jurierung konnte man ein buntes wie hochkarätiges Team gewinnen: Den Vorsitz der Jury hatte Univ.-Prof. Fritz Frenkler von f/p design, ebenso tätig an der Technischen Universität München, über- nommen und wählte gemeinsam mit Mag. Gerald Kiska von der KISKA GmbH, Mag. Karin Polzhofer von der KAPO Holding GmbH / Neue Wiener Werkstätte, Christa Wagner von JOSKO Fenster und Türen GmbH, Prof. Dr. Günther Grall von der FH Salzburg, (Studiengang Design & Produktmanagement) und Mag. Stefanie Grüssl vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend die Siegerprojekte aus. In beratender Funktion begleitete Mag. Sabine Pümpel des austria wirtschaftsservice (aws) die Jury, jedoch ohne eigenes Stimmrecht. Wie bei der Preisverleihung besonders betont wurde, hat man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Es gäbe in Österreich eine unglaubliche Vielfalt und ein riesiges Kreativpotenzial, war man sich in der Jury einig.

 

Glanz für die Exekutive

Sieger der Kategorie Produktgestaltung | Investitionsgüter: Spirit Design Innovation & Brand GmbH mit „Behördenschiff“. Foto: © Spirit Design Innovation & Brand GmbH

Sieger der Kategorie Produktgestaltung| Investitionsgüter: Spirit Design Innovation & Brand GmbH mit „Behördenschiff“. Foto: © Spirit Design Innovation & Brand GmbH

In der Kategorie Produktgestaltung | Investitionsgüter wurden Daniel Huber, Georg Bläsi und Markus Tanzer-Kargl alias Spirit Design Innovation & Brand GmbH zu den Siegern gekürt. Sie entwickelten im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technik ein „Behördenschiff“, das als Arbeitsgerät zur Erfüllung eines breiten Aufgabenspektrums auf der internationalen Wasserstraße Donau zum Einsatz kommt. Als fahrende Dienststelle übernimmt das Schiff Verkehrsregelung und Notfallsmanagement und stellt als Mischung aus Schnell-, Arbeits- und Transportboot eine völlig neue Schiffsklasse dar. Die einzige Nominierung dieser Kategorie ging an das Projekt S10-S12, ein Schreit-Mobilbagger von Design Department Linz – Christian Kreiner und Stefan Oberhuemer. Dabei handelt es sich um  die komplette Neugestaltung der S-Serie, die optische Harmonie, komplexe Funktionen sowie einen stark verbesserten Fahrer- und Bedienkomfort berücksichtigt. Das Ergebnis verbindet schließlich Dynamik mit Übersichtlichkeit.

 

Produkt zum Leben

Sieger der Kategorie Produktgestaltung | Konsumgüter: Studio Novo Communication & Product Design e.U. mit Beinprothesensystems „Genium“. Foto: © Studio Novo Communication & Product Design e.U.

Sieger der Kategorie Produkt- gestaltung | Konsumgüter: Studio Novo Communication & Product Design e.U. mit Beinprothesensystems „Genium“. Foto: © Studio Novo Communication & Product Design e.U.

Als mutigste Entscheidung der Jury gilt wohl die Verleihung der Auszeichnung an das Beinprothesensystem „Genium“ von Studio Novo Communication & Product Design e.U., das von der Otto Bock Healthcare GmbH in Auftrag gege- ben wurde. Das Siegerprojekt der Kategorie Produktgestaltung | Konsumgüter macht sichtbar, dass man die Perfektion des menschlichen Kniegelenks nur annähernd erreichen kann, was für die Entwicklung die größte Herausforderung war. Die schlanke Linienführung orientiert sich an der Anatomie des Unter- schenkels und verleiht der mikroprozessorgesteuerten Prothese einen selbst- bewussten Auftritt. Abgesehen von der Außergewöhnlichkeit und Brillanz dieses Produktes beeindruckt die Entscheidung der Jury, das Thema unter anderem insofern zu thematisieren, als dass eine Prothese als Designobjekt honoriert wird. Über eine Nominierung in dieser Kategorie durften sich auch die beiden Designerinnen Barbara Ambrosz und Karin Santorso, die unter dem Label Lucy.D arbeiten, freuen, deren Löffel zur Bereitung von Tee namens „Tèo“ von Alessi mit seiner einfachen, selbsterklärenden Handhabung wie auch der Verführung zu einem eleganten Ritual fasziniert, als auch die zeug design GmbH – Detlev Magerer und Erwin Weitgasser – die mit „consistent design r117“, einem TV-Receiver und Fernbedienung in jeweils kompakten Format, überzeugten.

 

Traum-Raum

Sieger der Kategorie Räumliche Gestaltung: kadawittfeldarchitektur GmbH mit „Neuer Salzburger Hauptbahnhof“. Foto: © kadawittfeldarchitektur GmbH

Sieger der Kategorie Räumliche Gestaltung: kadawittfeldarchitektur GmbH mit „Neuer Salzburger Hauptbahnhof“. Foto: © kadawittfeldarchitektur GmbH

In der Kategorie Räumliche Gestaltung ging das Projekt „Neuer Salzburger Hauptbahnhof“ von kadawittfeldarchitektur GmbH als Gewinner hervor. Hier wird eindrucksvoll die Verknüpfung von historischer Substanz mit moderner Architektur demonstriert. Hoher Kundenkomfort, kurze Wege, barrierefreies Umsteigen, eine zentrale Passage mit Einkaufsmöglichkeiten und die Integration denkmal- geschützter Bauteile wirken wie eine selbstverständliche Koexistenz, die dafür steht, dass man nicht immer alles abreißen muss. Besonders beeindruckend ist auch der Raum unter den Gleisen, der von einem Maximum an Tageslicht durchdrungen wird und von wo aus man immer noch den Himmel sehen kann. Mit einer Nominierung dieser Kategorie wurden das Projekt „Perfekt Box“ von Perfekt World geehrt, ein flexibler Ausstellungs-, Lager-, Präsentations- oder Arbeitsraum, dessen Kern aus einer Aluminiumbox mit 70 unterschiedlich dimensionierten Rahmen besteht, und die Tiefgaragen-Installation „Every Body“ von White Elephant – Florian Puschmann und Tobias Kestel – die sich an einem zentralen Punkt in einer Tiefgarage befindet, an dem alle vorbeifahren. Sie besteht aus einem 30 Meter langen Raster aus 700 lackierten Aluminiumlamellen, die einem zweiten Raster aus Plakatpapier vorgelagert sind. Durch die Bewegung und Veränderung des Blickwinkels wird durch einen Moiré-Effekt ein eingebetteter Text sichtbar.

 

Abräumerin

Gewinnerin des Sonderpreises „DesignConcepts 2013“: Helene Steiner mit „EDU Spind“. Foto: © Helene Steiner

Gewinnerin des Sonderpreises „DesignConcepts 2013“: Helene Steiner mit „EDU Spind“. Foto: © Helene Steiner

Besonderes Aufsehen erregte auch die Vergabe des Sonderpreises „DesignConcepts 2013“. Hier wurden zwei Anerkennungspreise vergeben: Zum einen an das Projekt „Fred/Fold“ von Tobias Bernstein / toka OG, ein Klapprad für den urbanen Raum, das sich durch ein visuell unauffälliges Gelenk auf 40 Prozent seiner ursprünglichen Größe zusammenlegen lässt. Der gestalterische Fokus liegt auf einem dynamischen und schlichten Erscheinungsbild. Zum anderen an Designerin Helene Steiner für das Projekt „EDU Buch“ – Integration neuer Medien in den Schulalltag, bei dem das Handy zum Schulcomputer wird. Legt man dieses auf das EDU Buch, schaltet es sich automatisch in den Schulmodus ohne Telefonier- und SMS-Funktion, öffnet die auf den Schulalltag abgestimmte Software und erweckt das robuste, flexible, leichte wie kostengünstige EDU Buch zum Leben. Aber schließlich kam der überraschende Moment: Helene Steiner gewann mit ihrem zweiten Projekt „EDU Spind“ – Kommunikationssystem für Schulen den Hauptpreis. Die doppelte Preisträgerin überzeugte die Jury mit der Konzeption eines persönlichen Spindes für jeden Schüler, der als Postfach, Stauraum und Ladestation für elektronische Geräte dient. Dadurch möchte sie die Kommunikation fördern, Abläufe optimieren und die Integration neuer Medien in den Unterricht verbessern.

 

Wirtschaftsfaktor Design

In Zeiten hektischer Diskussion müsse man sich Zeit für Ästhetik und Funktionalität nehmen. Unternehmen sollten im Sinne der Innovation Design zulassen, denn schließlich würden sie durch den großen Wieder- erkennungsfaktor profitieren. Darin sind sich Auslober, Experten und vor allem auch die Auftraggeber einig. Heimisches Design hebe aber auch sich ganz klar ab, da österreichische Formgebung viel emotionaler sei und eine größere Affinität zur Kunst habe. Mehr Geld zur Förderung zu haben wäre ein wichtiger Punkt, nicht allein deshalb, weil Design auch ein immer wichtigerer Wirtschaftsfaktor werde. „Design ist ein unverzicht- bares Element professioneller Marktkommunikation. Es transportiert die Qualität eines Produkts und fördert auf diese Weise Image und Marktwert“, betont Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Dem Austria Wirtschaftsservice liegt besonders die Förderung von Jungdesigners am Herzen, da Design die wichtigste Zutat für Innovation ist. Design dürfe nicht nur eine Behübschung sein, sondern müsse in erster Linie funktional sein, heißt es.

 

Alle Gewinnerprojekte sowie die Nominierungen, die es bis zum spannenden Finale geschafft haben, können bis 10. November 2013 in der Ausstellung „Walk of Fame“ im designforum Wien im Museumsquartier Museumsplatz 1, 1070 Wien, selbst erlebt werden. Darüber hinaus werden in einem Katalog in Buchform der Staatspreis und sämtliche ausgezeichneten Produkte und Projekte vorgestellt. Dieser Katalog ist auch im Buchhandel erhältlich. Alle Infos unter www.designforum.at

 

www.designforum.at

www.staatspreis-design.at

 

Staatspreis Design 2013 – Highlights in der Bildershow

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