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Alvar Aalto revisited

Das Vitra Design Museum widmet sich in der Ausstellung „Alvar Aalto – Second Nature“ dem Werk und Wirken des legendären Architekten und Designer.

 

Die Ausstellung "Alvar Aalto - Second Nature" widmet sich dem Architekten und Designer. Hier: Alvar Aalto in seinem Atelier, 1945. Foto: © Alvar Aalto Estate / Alvar Aalto Museum; Foto: Eino Mäkinen

Die Ausstellung „Alvar Aalto – Second Nature“ widmet sich dem Architekten und Designer. Hier: Alvar Aalto in seinem Atelier, 1945. Foto: © Alvar Aalto Estate / Alvar Aalto Museum; Foto: Eino Mäkinen

Renommierterer Architekt, Designer, kreativer Kopf – Alvar Aalto ist bis heute einer der Granden der Szene, sein umfassendes Werk viel beachtet, seine Kreationen haben die Zeit überdauert, sind aktuell wie eh und je und Inbegriff modernen nordischen Designs. Dem „Magnus des Nordens“, wie ihn der Architekturkritiker Sigfried Giedion einst nannte, widmet sich nun das Vitra Design Museum in einer Ausstellung. Mit „Alvar Aalto – Second Nature“ zeigt der Kreativ-Hotspot in Weil am Rhein eine große Retrospektive über den bekanntesten finnischen Architekten seiner Generation und einen der wichtigsten Vertreter einer „humanen“ Moderne und enthüllt dabei zugleich faszinierende neue Aspekte seines Lebenswerks.

 

Von Architektur bis Design

Mit neuem, zeitgenössischerem Blickwinkel wird Werken und Wirken des Großmeisters der Architektur- und Designszene beleuchtet, dessen Gebäude wie das Paimio Sanatorium (1933) oder die Villa Mairea (1939) ein exzellentes Zusammenspiel organischer Räume, Formen und Materialien verkörpern, dessen Paimio Stuhl (1931–1932) und sein Hocker Stool 60 (1933) als Meilensteine in der Entwicklung moderner Möbel gelten und dessen Savoy Vase (1936) bis heute das Symbol finnischen Designs ist.

 

Der legendäre Architekt schuf architektonische Meisterwerke und vielbeachtete Möbel wie den Armlehnsessel N°. 41 (1932). Foto: © Vitra Design Museum, Foto: Jürgen Hans, VG Bild-Kunst, Bonn, 2014

Der legendäre Architekt schuf architektonische Meisterwerke und vielbeachtete Möbel wie den Armlehnsessel N°. 41 (1932). Foto: © Vitra Design Museum, Foto: Jürgen Hans, VG Bild-Kunst, Bonn, 2014

Wohnen als „zweite Natur“

Die von 27. September bis 1. März laufende Ausstellung stellt Aaltos Affinität zu organischer Form nicht wie üblich in Zusammenhang mit der Landschaft seines Heimatlandes dar, sondern führt diese direkt auf einen engen Dialog mit vielen Künstlern seiner Zeit zurück, deren Arbeiten sowie jene anderer Kreativer den Entwürfen und Kreationen Alvar Aaltos gegenüber gestellt werden und auf diesem Wege Aaltos Bedeutung als Schlüsselfigur einer internationalen Kunst- und Architektur-Avantgarde seit den 1920er-Jahren unterstrichen wird. Aalto selbst beruft sich auf Fernand Léger, indem er sich als „chef d’orchestre“ bezeichnet, der alle Kunstformen zu einem harmonierenden, sinfonischen Ganzen verbindet und so Lebensräume von warmer, organischer Qualität, durchwirkt von einer eindrucksvollen Kombination von Volumen und Baumaterialien, terrassierten Fußböden und Decken und einer Choreographie aus natürlichem und künstlichem Licht schuf: eine Umgebung, die Inspirationen aus Kunst und natürlichen Formen in eine „zweite Natur“ für den modernen Menschen verwandelte.

 

Die Alvar Aalto-Ausstellung ergänzen Arbeiten von Armin Linke wie Bibliothek in Viipuri (Vyborg), Karelien (heute Russland), Alvar Aalto, 1927–1935. Foto: © Armin Linke, VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Die Alvar Aalto-Ausstellung ergänzen Arbeiten von Armin Linke wie Bibliothek in Viipuri (Vyborg), Karelien (heute Russland), Alvar Aalto, 1927–1935. Foto: © Armin Linke, VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Avantgardistisch von außen bis innen

Wird dieser Ansatz bei zahlreichen Bauten wie der der Bücherei in Vyborg (1927-35) oder dem Kulturzentrum Wolfsburg (1958-62) sicht- bar, und arbeitete Alvar Aalto unter anderem an einem System des standardisierten und vorgefertigten Wohnungsbaus, entwarf er ne- ben der architektonischen „Hülle“ zugleich auch das Interieur – von Türklinken über Lichtelemente bis zu Einbaumöbeln – und gründete daher 1935 gemeinsam mit seiner Frau Aino und zwei Wegbeglei- tern die Firma Artek, die sowohl als internationaler Möbelproduzent als auch als Galerie gedacht war und zu einer angesehenen Adresse für die Avantgarde Kultur der Moderne avancierte.

 

Fünfzig in einem…

50 Jahre – von den frühen 1920er bis zu den 1970er-Jahren – umspannt seine produktive Schaffensphase, in der er über 400 Gebäude und dutzende Möbel, Glasobjekte und Leuchten hervorbrachte. Dies alles in nur einer Ausstellung zu zeigen, scheint fast unmöglich und doch gibt „Alvar Aalto – Second Nature“ einen umfassenden Überblick über Aaltos Leben und Arbeit. Gezeigt werden historische Architekturmodelle, Originalzeichnungen, Möbel, Leuchten und Glasobjekte, aber auch Arbeiten anderer bekannter Künstler wie Alexander Calder oder Jean Arp. Aaltos wichtigste Bauten und Entwürfe werden präsentiert, der Blick aber auch auf weniger bekannte Projekte gelenkt.

 

… und noch etwas mehr

Ergänzt wird die frische Perspektive auf Alvar Aalto durch die eigens beauftragten Arbeiten des deutschen Künstler Armin Linke, der neue fotografische und filmische Impressionen ausgesuchter Aalto-Bauten produziert hat. Begleitet wird „Alvar Aalto – Second Nature“ von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Gästen wie Shigeru Ban, Claesson Koivisto Rune, Front Design, Harri Koskinen, Matthias Sauerbruch oder de Vylder Vinck Taillieu sowie einem über 600-seitigen Katalog mit Essays von zehn Autoren, Interviews und einem tiefgreifenden Werkverzeichnis mit noch nie gezeigten Originalzeichnungen und Abbildungen.
So lässt sie Ausstellung „Alvar Aalto – Second Nature“ den legendären Architekten in jeder Hinsicht in neuem, vielfältigen Licht erscheinen.

 

www.design-museum.de

www.vitra.com

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