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„Meine Möbel sind eine Schnittstelle“

Mit frischem Design und außergewöhnlichen Möbeln zeigt Mag. Matthias Krenn auf. Rauminhalten und Möbeln gilt das Interesse des österreichischen Jungdesigners. Das Material, die Haptik, hat für ihn neben Form und Funktion besonderen Stellenwert, wie der Kreative erzählt.

 

Mag. Matthias Krenn. © Andreas Kepplinger

Mag. Matthias Krenn. © Andreas Kepplinger

Wie sehen Sie Möbeldesign und Räume?
Es kommt darauf an, über welches Metier wir sprechen, vom high price- oder dem low price-Sektor. Ich glaube, im low price-Sektor geht es stark um Multifunktionalität, die Räume werden immer kleiner, teurer. Das Möbel muss heute wirklich viel bieten. Es soll nicht nur mehr ein Sessel sein, sondern im besten Fall ein Sessel und ein Sofa und dazu noch eine Schlafmöglichkeit bieten.

 

Sehen Sie einen Trend zu Funktionsmöbeln?
Genau. Das sehe ich allerdings eher im low price-Sektor. Im high price-Sektor ist man anders unterwegs. Da geht es um repräsentative Form und außergewöhnliche Farben. Die Wohnungen und Häuser sind in der Regel größer und brauchen dafür ausgerichtete Möbel. Darstellung ist hier sicher das beschreibende Wort.

 

Und Ihre Möbel?
Meine Möbel sind an der Schnittstelle, sie bieten Multifunktionalität, besondere Form und hochwertige Materialien, also auch für urbane, junge Menschen gedacht. Es sind ‚zeitlose‘ Möbel, mit ausladende Form, die durch ihren Modulcharakter, sowohl in kleine als auch große Wohnungen gestellt werden, man kann eine unendlich große Couch bauen, oder nur zwei Sessel stellen, ganz wie man möchte. Die MMK Fermoir Linie bietet großen Spielraum. Generell war es mir in der Entwicklung wichtig, ein zeitloses, von der Ästhetik her trotzdem besonderes Möbel zu gestalten.

 

Feine Schmuckstücke: MK E vintage Beistell- und Bistrotisch. © Design by Matthias Krenn

Feine Schmuckstücke: MK E vintage Beistell- und Bistrotisch. © Design by Matthias Krenn

Sie sagen, dass Sie auf der Suche nach Besonderem ungewöhnliche Wege gehen. Wie lässt sich das verstehen?
Ich komme aus der Bildhauerei, habe eine HTL für Kunst und Design in Graz besucht und meine Schwerpunkte waren Form, Farbe, Funktion. Das waren meine drei Bereiche, mit denen ich mich beschäftigt habe. Ich habe fünf Jahre Bildhauerei studiert und immer nach der Funktion gesucht, also habe ich damals Fotostrecken gemacht, bei denen der Raum im Mittelpunkt stand und mich mit Lichtsetzung auseinander gesetzt. Zusätzlich waren es Lichtgegenstände, die ich gebaut und abfotografiert habe. Nach dem Studium habe ich beschlossen, mich wieder Funktion, Möbel und Design zu widmen.

 

Räume inspirieren Sie also zu Möbeln?
Unbedingt. Räume sind grundsätzlich das Thema, das mich beschäftigt. Die 3D-Fragestellung, wie etwas in den Raum passt, es darin steht, wie der Raum funktioniert, wo etwas hinstellen, wie Veränderungen herbeiführen, ist für mich eine grundlegende Frage.
Beim Sofa MMK Fermoir war es so, dass ein Freund mich gefragt hat, ob ich sein Wohnzimmer einrichten kann, dabei war der größte Akt ein bekanntes Designsofa durch eine Neubautür in eine Dachgeschoss-Loft zu bekommen. Dabei kam mir die Idee, ein großes, „schweres“ Sofa zu bauen, welches gleichzeitig leicht transportiert, aufgeteilt, und an den Raum angepasst werden kann.

 

Und für die Tische?
Der MK E vintage ist so entstanden, dass ich beim Altwarenhändler eine Eternit-Blumenschale gefunden und sofort an einen Couchtisch gedacht habe. Die Höhe der Schalen ist optimal und so gibt es mittlerweile Couch und Bistrotisch.

 

Modular: MMK Fermoir. Aus dem Sessel erwächst kinderleicht eine Sofalandschaft. © Design by Matthias Krenn

Modular: MMK Fermoir. Aus dem Sessel erwächst kinderleicht eine Sofalandschaft. © Design by Matthias Krenn

Wie wichtig sind die Materialien?
Materialien sind wirklich wichtig für mich. Meine Freunde ziehen mich gerne mit dem Thema der Haptik auf, ich muss immer alles angreifen. Ich glaube, dass sich vieles über das Material definiert – ob warm oder kalt bis hin zu Gefühlszuständen. Das ist mir auch bei meinen Möbeln wichtig. Wie beim Fermoir Lederbezug, da wollte ich unbedingt, dieses ‚staubige‘ Leder bekommen, wenn man draufsitzt und darüber fährt, ergibt das eine gewisse Empfindung wie ich finde. Durch das Material bekommen Möbel ihren eigenen Charakter.

 

Setzen Sie auf natürliche Materialien?
Ich schaue immer darauf: Wo kommt es her, was sagt es aus? Bei meinen Möbeln wird zum Beispiel eine österreichische Nuss, ein steirisches Nubuk-Leder verwendet. Der Tisch ist ‚Upcycling“ und eigentlich ein Ready-made. Die Beine gibt es nur noch ganz selten, die Schalen werden nicht mehr produziert, es gab das Grundmodell also schon im Vornhinein und ich bin quasi nur den Schritt weiter gegangen, habe es upgecycelt, ihm eine neue Funktion zugeschrieben.

 

Sind Sie ausschließlich im Wohnbereich tätig? Oder ist der Objektbereich auch Thema?

Absolut. Ich glaube, das sollte man nicht so schwarz-weiß sehen. Die Sofas mit Chenille zum Beispiel: Das Chenille ist ein Objektstoff und die Sofas extra so gemacht, dass sie auch für Hotels und öffentliche Räume geeignet sind.

 

Mit Stil & Style: MMK DS Fermoir. © Design by Matthias Krenn und DS

Mit Stil & Style: MMK DS Fermoir. © Design by Matthias Krenn und DS

Wo sind die Möbel erhältlich?
Die Möbel kann man natürlich bei mir kaufen, aber auch bei Vienna Fabrics & Design im ersten Bezirk in Wien. Weitere Händler sind derzeit im Gespräch. Meine Möbel sind ein ideales Produkt für kleine exclusive Studios, die sich vom Mainstream abheben wollen und sich so vom herkömmlichen Markt differenzieren.

 

Wie schaut Ihr Netzwerk aus?
Als Designer, bei der Ideenfindung arbeite ich prinzipiell alleine. Dann aber natürlich mit vielen Firmen. Ich arbeite mit der Tischlerei meines Vertrauens, einer Polsterei, einem Schlosser und mit Vienna Fabrics & Design, die exklusiv für die Stoffmöbellinie die Stoffbezüge gemacht haben. Und noch vielen anderen je nachdem was das jeweilige Design verlangt. Darüber hinaus versucht man natürlich ständig seine Kontakte zu erweitern und seine Möbel der Öffentlichkeit zu zeigen. Ganz alleine kann man nichts ausrichten.

 

Was sind denn die nächsten Projekte?
Eine Leuchte, aus einem speziellen Material, gemeinsam mit einer österreichischen Firma, mehr darf ich dazu noch nicht verraten. Die Prototypen des MMK Fermoir vanité zu erstellen und das Polstermöbel zu realisieren, ist ein weiteres Vorhaben für 2016. Dafür suche ich gerade nach einem passenden Polstermöbelerzeuger. Das Spannende, das Möbel hat zwar dasselbe Grundschema, wird aber zum Aufklappen sein, ein Dreiteiler, mit Liegefläche für ein 1-Personen-Gästebett. Außerdem arbeite ich mit dem Architekten Fabian Dembski an einem Designprojekt für 2016.

 

www.matthiaskrenn.com

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