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„Ein ungewöhnliches Format“

Als Designer und Möbelproduzent ist Nils Holger Moormann mit seinem gleichnamigen Label international bekannt. Mit unkonventionellen Möbeln und Ideen bereichert der kreative Tausendsassa die Szene und begleitet nun als „Kurator des Jahres“ die Designmesse blickfang. Auf der blickfang Wien plauderte er mit WOHNDESIGNERS über das faszinierende Format, Design und Wien als Designlocation.

 

Nils Holger Moormann ist international bekannt und erfolgreich. © Julia Rotter

Nils Holger Moormann ist international bekannt und erfolgreich. © Julia Rotter

Sie sind in der neuen blickfang-Saison als „Kurator des Jahres“ aktiv. Wie ist dies für Sie?

Ich hatte vor der blickfang ziemlichen Respekt, weil es ein ungewöhnliches Format ist. Ich kenne natürlich die klassische Fachmessewelt, wo alles ganz anders als hier ist. Es gibt dort nicht diese Durchmischung verschiedener Richtungen, von Möbeln über Mode bis zu Accessoires. Auf der blickfang findet sich ein großes Potpourri. So interessant ich es auch finde, hat mich das schon ein wenig verschreckt, weil mit dem Fachblick ist man immer nur am Dickbrettbohren. Die erste Erfahrung, die ich hier machen konnte, war der Designworkshop, vor dem ich Bammel hatte, weil ich nicht wusste, was ich den jungen Designern sagen soll, was ich ihnen beibringen kann.

 

Und wie ist es gelaufen?

Es war sehr interessant, weil man in der Zeit auch die Möglichkeit hat, gewisse Punkte herauszuarbeiten.

Moormann belebt die Szene mit unkonventionellen Möbeln und Ideen. © Dirk Bruniecki

Moormann belebt die Szene mit unkonventionellen Möbeln und Ideen. © Dirk Bruniecki

Die Kreativen haben ihre Projekte vorgestellt, wir haben uns das sehr wohlwollend, aber gleichsam kritisch angehört und versucht, Hilfestellung zu geben, zu hinterfragen, was wir nicht verstanden haben und Marktmechanismen zumindest zu erklären. Ich hatte danach ein gutes Gefühl. Dazu kommt – und das ist meine Hauptmotivation: Ich bin leidenschaftlicher Verfechter der Jugend im Design. Ich finde es total spannend, dass junge Designer eine Chance, eine Plattform bekommen und eben nicht nur die Altvorderen, die schon bekannt sind.

 

Wie handhaben Sie das?

Bei der blickfang als „Kurator des Jahres“ aktiv, beehrte Moormann die blickfang Wien im MAK. © WOHNDESIGNERS

Bei der blickfang als „Kurator des Jahres“ aktiv, beehrte Moormann die blickfang Wien im MAK. © WOHNDESIGNERS

Auch wir als Firma haben immer schon mit Designern gearbeitet, die am Anfang ihrer Karriere gestanden sind. Wir versuchen, anders als viele andere Firmen zu arbeiten, die eher auf einen Top-Designer setzen. Ich gehe lieber das Risiko ein und entwickle mit Jungdesignern eine Idee, wohlwissend, dass es schwierig sein kann. Aber es ist ein ganz anderer Esprit und es bringt eine neue Belebung in den Markt.

 

Was macht den Reiz der blickfang aus?

Einerseits ist der Reiz, dass hier fast nur junge Designer sind, andererseits ist es auch das Autorendesign, dass Designer ihre eigenen Produkte verkaufen und es als Marktplattform sehen.

Starkes Trio: Nils Holger Moormann mit Tina Haslinger (blickfang Projektleitung Österreich; l.) und Jennifer Reaves (blickfang GF) auf der blickfang Wien. © WOHNDESIGNERS

Moormann mit Tina Haslinger (blickfang Projektleitung Österreich; l.) und Jennifer Reaves (blickfang GF; r.) auf der blickfang Wien. © WOHNDESIGNERS

Was mich auch besonders an dem Format reizt ist, dass die jungen Damen und Herren mit ihren Designträumen hier gleichsam auf den ‚Schleifstein‘ kommen, sehen, ob ihre Ideen auch wirklich den Konsumenten gefallen, alles ausprobieren können.
Genau das ist auch das Schöne an dem Format: Es ist ein Findungsformat. Die Jungen haben hier die Chance, sich selbst ihre ersten Sporen zu verdienen.
Aus der Theorie und direkt an den Nutzer heran – das finde ich überaus interessant.

 

Ist damit auch der Blick auf Design ein anderer?

Erste Eindrücke und tiefe Einblicke: Nils Holger Moormann und Jennifer Reaves beim Rundgang über die blickfang Wien. © WOHNDESIGNERS

Eindrücke und Einblicke beim Rundgang. © WOHNDESIGNERS

Auf jeden Fall, aber das gehört dazu. Im Schwabenland gibt es einen Spruch: „Zu viel Wissen ist auch nicht gescheit.“
Es ist schon gut, Ideen zu hinterfragen, aber man muss sie auch zulassen, es ausprobieren. Die blickfang ist da eine gute Plattform und die jungen Designer haben immer den Vorteil, mit dem Käufer in Kontakt zu treten. Das ist für mich mit das Spannendste hier.

 

Welchen Eindruck haben Sie von den vielen österreichischen Kreativen auf der blickfang?

„Ich bin leidenschaftlicher Verfechter der Jugend im Design“, so Nils Holger Moormann. © Julia Rotter

„Ich bin leidenschaftlicher Verfechter der Jugend im Design“, so Nils Holger Moormann. © Julia Rotter

Da gibt es Bewegung.
Besonders positiv aufgefallen sind mir die Arbeiten von Clemens Auer, Kollektiv Plus Zwei sowie Handgedacht. Alle drei haben einen erfrischenden, neuen Blick auf Ideenfindung, Material oder präzisen Anwendernutzen.

 

Die blickfang macht in sechs Städten Station. Wodurch zeichnet sich dabei Wien aus?

Ich glaube, hauptsächlich der Ort. Das MAK ist ein toller, kraftvoller Ort. Es sind schöne Räume, es hat eine Power, es ist ein guter Rahmen. Ich mag, dass es relativ klein ist, weil dadurch eine Konzentration möglich ist, der Kunde verläuft sich nicht so. Und natürlich ist Wien an sich eine Metropole, es ist viel Publikum da und die blickfang in Wien läuft ja auch seit vielen Jahren sehr erfolgreich.

 

Ist Wien also ein Designhotspot?

Nach bekannten Highlights wie dem Regal „Egal“ feilt Moormann an immer neuen Kreationen. Aktuellstes Projekt ist ein Wohnmobil. © Jäger & Jäger

Nach Highlights wie dem Regal „Egal“ feilt Moormann aktuell an einem Wohnmobil. © Jäger & Jäger

Wo gibt es denn einen wirklichen Designhotspot? Als Designhotspot würde ich Wien nicht sehen, da gibt es andere Städte, bei denen es mehr klingelt wie vielleicht Mailand. Aber in Wien passiert unglaublich viel, die Museenlandschaft ist faszinierend, die VIENNA DESIGN WEEK ist hoch ambitioniert. Es bewegt sich viel, wächst und Wien ist am Kommen.
Wien hat auch eine Faszination insofern, als dass die Stadt ähnlich wie Berlin zu einem Schmelztigel wird, durch die Öffnung kommt frischer, ungewohnter Wind rein, neue Einflüsse und dadurch neue Chancen, wenngleich auch neue Gefahren, dass es verwischt. Vor allem sind es aber neue Chancen und die braucht das Design. Design ist in einem gärenden Tempel immer gut aufgehoben.

 

Und was haben Sie mit Ihrem Label nun als nächstes am Start?

Wir sind mit Hochdruck an der Realisierung eines Wohnmobils und es entsteht ein Serienfahrzeug. Das ist schon sehr ambitioniert, aber das erste wird schon im kommenden Februar fertig sein.

 

www.blickfang.com

www.moormann.de

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