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Ein Designer im Chefsessel

Der im ostwestfälischen Lemgo ansässige Hersteller KFF hat überaus gediegene, stilistisch oft ans Mid-Century Design erinnernde Möbel – vornehmlich Sitzgelegenheiten und Tische – im Programm. Die Entwürfe stammen teils von internationalen Designers und entstehen teils im Haus selbst. Jens Lewe ist nicht nur Geschäftsführer von KFF, sondern auch die treibende Kraft in Sachen Design. Sein Modell Arva Lounge und Ottoman hat soeben den German Design Award 2018 bekommen.
Von Harald Sager

 

Jens Lewe ist nicht nur Geschäftsführer von KFF, sondern auch die treibende Kraft in Sachen Design. © Hersteller

wohndesigners: Sie sind seit 2011 Geschäftsführer von KFF. Was ist Ihr eigener Werdegang, wie sind Sie zu diesem Hersteller dazugestoßen?

Jens Lewe: Ich selbst bin nicht aus Ostwestfalen, sondern aus dem Ruhrgebiet. Ich habe zunächst eine kaufmännische Ausbildung gemacht und danach Innenarchitektur studiert. Ich hatte mein eigenes Planungsbüro für Objekteinrichtungen, Möbelentwürfe und Individualausbauten und zusätzlich eine Professur für Designmanagement an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo. Zu KFF stieß ich als Produktentwickler und Berater des KFF-Gründers und -Eigentümers Karl-Friedrich Förster.

 

Sehen Sie sich in erster Linie als Designer bzw. Kreativer, der zusätzlich auch ein Möbelunternehmen leitet, oder umgekehrt?

Ich würde sagen, ich bin sowohl das eine als auch das andere, und das passt auch gut zu KFF: Denn wir sind einerseits ein kommerzielles Unternehmen, eine Firma – die sich aber andererseits mit Design und der Produktion von anspruchsvollen Designmöbeln beschäftigt. In einem Unternehmen unserer Größenordnung sollte der Geschäftsführer von beidem etwas verstehen – wie das im Übrigen auch bei Karl-Friedrich Förster der Fall war und ist.

 

„Ich bin zwar Geschäftsführer, sitze aber auch selbst am Zeichentisch und mache Entwürfe.“

 

Das Modell Sinus von 1987 war Karl-Friedrich Försters erster großer Erfolg. © Hersteller

Arbeitet der Firmengründer selbst noch mit?

Ins operative Geschäft ist Karl-Friedrich Förster nicht mehr eingebunden – aber natürlich ist es nach wie vor sein Unternehmen, insofern hat er ein Auge darauf.

 

KFF arbeitet mit externen Designern, produziert aber auch eigene Entwürfe. Wie enstehen die?

Wir sind ein relativ kleines mittelständisches Unternehmen, das Design ist Teamarbeit. Ich bin zwar Geschäftsführer, sitze aber auch selbst am Zeichentisch und entwerfe. Ein Kollege ist ausschließlich für die Produktentwicklung zuständig. Die Entwürfe, die wir in Erwägung ziehen, kommen zunächst in den Musterbau – den machen wir auch selbst. Erst danach gehen sie in Serie.

 

„Der Grundgedanke beim Modell Arva war, eine klar umschriebene Form mit einem leeren Polster zu versehen.“

 

Die Arva Lounge in einer ihrer zahlreichen Mutationen, hier mit Drahtkufengestell; dazu passend der Tisch Arva. © Hersteller

Die Serie Arva dürfte aktuell wohl die erfolgreichste Ihres Unternehmens sein, denn es gibt sie bereits in zahlreichen Mutationen, als Stuhl Arva bzw. Arva Light, beide mit und ohne Armlehnen, als Barhocker und Thekenstuhl, als drehbarer Sessel Arva Lounge, mit Ottoman und in verschiedenen Gestell-Varianten, und als Bank. Arva geht auf Ihren Entwurf zurück. Was war die Grundidee?

Der Grundgedanke war, eine klar umschriebene Form mit einem leeren Polster zu versehen. Die Arva-Schale ist streng gepolstert, das Kissen eingelegt: Das wirkt leger, lässt den Stuhl filigran erscheinen und bringt erheblichen Sitzkomfort. Als Jahrgang 1961 bin ich mit Mid-Century Design aufgewachsen, der Stil zwischen Ende der fünfziger und Mitte der sechziger Jahre hat mich geprägt. Arva stimmt diesen Ton an.

 

Das Modell Arva Lounge und Ottoman aus der von Jens Lewe entworfenen Arwa-Familie. © Hersteller

Das Modell Arva Lounge und Ottoman hat soeben den German Design Award 2018 eingeheimst …

Das freut mich natürlich, denn der German Design Award ist mir der liebste Preis. Designpreise sind wichtig in puncto Reputation bei unseren Kunden.

 

Was sind die jüngsten bzw. aktuellen Entwürfe von KFF, was kommt im laufenden Jahr heraus?

Die Arva-Familie wird weiter ausgebaut und wird wohl fünf, sechs neue Modelle dazubekommen.

 

Wie würden Sie den Stil von KFF charakterisieren?

Platz nehmen und zurücklehnen: Youma von Sven Dogs. © Hersteller

Wir stehen für eigenständiges Design, für einen modernen, aber beständigen, langlebigen Stil. Wir entwerfen und produzieren authentische Möbel für den Wohn-, Ess- und Objektbereich, die uns selbst gefallen – in der Hoffnung, dass auch unsere Kunden daran Gefallen finden. Es sind Möbel mit Charakter und Anmut, die vom Design und von der Qualität her Bestand haben. – Was wir garantiert nicht anstreben, ist Preisführerschaft. Und was am Markt gerade gut „funktioniert“, interessiert uns, offen gestanden, auch überhaupt nicht.

 

Warum beschränkt sich KFF mehr oder weniger auf Tische und verschiedene Arten von Sitzgelegenheiten? Richtiggehende Sofas sind kaum darunter – warum nicht mehr davon?

Das liegt ganz einfach daran, dass wir uns bei der Herstellung von Tischen und von Stühlen, Sesseln und Bänken auskennen. Bei Polstermöbeln hingegen haben wir keine Erfahrung – das beherrschen wir nicht.

 

„Wir stehen für eigenständiges Design, für einen modernen, aber beständigen, langlebigen Stil.“

 

Welche Modelle waren – sowohl historisch als auch auf die letzten Jahre bezogen – die größten Erfolge von KFF?

Ein Meilenstein war sicherlich der Stuhl Sinus von Karl-Friedrich Förster, ein weiterer sein Stuhl Texas – beide sind nach wie vor im Programm von KFF. Im Moment sind einige Modellfamilien sehr erfolgreich, zum Beispiel Birgit Hoffmanns Stuhl Maverick oder Youma von Sven Dogs. Und natürlich auch die Arva-Familie.

 

Birgit Hoffmanns Stuhl Maverick im Hotel-Residence Klosterpforte. © Hersteller

 

KFF macht auch viel im Objektbereich. Welcher Bereich ist bedeutender, der Einzelhandel oder Projekte?

Der Objektbereich entwickelt sich tatsächlich sehr gut und lässt sich, da sind wir optimistisch, weiter ausbauen. Aber wir werden unsere Wurzeln, sprich den Einzelhandel, nie verlassen. Darüber hinaus sind auch die Exportmärkte ein gutes und deutlich wachsendes Segment.

 

www.kff.de

 


ÜBER JENS LEWE
Der 1961 geborene, aus dem Ruhrgebiet stammende Jens Lewe ist kaufmännisch ausgebildet und zugleich studierter Innenarchitekt. Er betrieb ein eigenes Planungsbüro und hatte eine Professur für Designmanagement an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo inne. Für KFF arbeitete er zunächst als Produktentwickler und in beratender Funktion, ehe er 2011 zum Geschäftsführer ernannt wurde. Jens Lewe ist auch selbst noch als Designer für KFF tätig. Das von Karl-Friedrich Förster im Jahr 1984 gegründete Unternehmen mit Sitz im ostwestfälischen Lemgo entwickelt und fertigt handwerklich verarbeitete Möbel für den Wohn-, Ess- und Objektbereich. Insbesondere die Sitzgelegenheiten haben einen ganz eigenen, eigenständigen und sehr gediegenen Stil, der oftmals ans Mid-Century Design erinnert: Sie sind aus Leder- oder Stoffbezug bzw. aus Holz, einfärbig und vielfach mit einem filigranen Drahtkufengestell ausgestattet. Die Entwürfe stammen teils von internationalen Designern und entstehen teils bei KFF selbst. KFF beschäftigt aktuell, einschließlich der eigenen Metallverarbeitung und Polsterei, 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


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