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„Wir spielen mit Materialien und Designs“

Der Name KOLARZ ist ein Begriff und steht für weit mehr als nur beeindruckende Luster. Moderne wird mit Tradition gemixt, der Slogan „Inspired by light“ wortwörtlich genommen und nicht zuletzt mit der Beleuchtung im Shanghai Tower sorgte die österreichische Marke international für Furore. Seinen Wurzeln bleibt KOLARZ freilich bei jedem Design, jeder Kreation treu. Ein Interview mit Mag. Stefan Wögerbauer, Urenkel des Firmengründers Hanns Kolarz und Mitglied der KOLARZ-Geschäftsführung.
Von Sylvia Pilar

 

Lange Tradition und moderne Innovation – wie passt und geht das bei KOLARZ zusammen?

Mag. Martin und Mag. Stefan Wögerbauer leiten KOLARZ. © KOLARZ GmbH

KOLARZ wurde1918 gegründet, wir kommen eigentlich aus der Lampenschirmproduktion, waren aber immer schon in Bewegung. Wir haben uns vom Lampenschirm- zum Lichtdesign entwickelt, Leuchten zum „Modeartikel“ gemacht, unter anderem indem wir uns an der Möbelbranche orientiert haben. Als wir die Produktion nach Norditalien übersiedelt haben, haben wir uns dort inspirieren lassen vom Design, vom Handwerk, von anderen Branchen, und dies im Leuchtenbau umgesetzt. Bei uns sind Innovation und Tradition überhaupt kein Gegensatz, es fließen beide Elemente ein und man spürt und sieht unsere Herkunft. Diesen Mix haben wir die letzten fast 100 Jahre gut hinbekommen.

 

Tradition und Moderne verschmelzen in den Leuchten von KOLARZ, die international erstrahlen. © KOLARZ GmbH

Die Produkte sind auch augenscheinlich anders als der vielzitierte Trend zum Minimalismus.

Das stimmt, weil wir nicht jeden Trend mitschwimmen, sondern unsere Identität beibehalten wollen. Wir kommen einfach aus dem dekorativen Leuchtenbereich. Bei uns wird ein früher üppiger Kristallleuchter neu interpretiert, handdekorierte Luster kommen in schlichterer Formensprache daher. Das ist unser Weg, und dabei wird immer auch die Handwerkskunst unserer Manufaktur ersichtlich.

 

Arbeiten Sie mit internen oder externen Designern?

Unser Erfolgsmodell ist eine Kombination aus beidem. Wir arbeiten einerseits mit drei internen Designern in unserer Produktion, aber auch mit externen Designern, die wir zwar briefen, sie aber sonst komplett frei kreativ sein lassen. So sind schon immer tolle Designs entstanden, bei diesem Weg bleiben wir und so wird es auch im nächsten Jahr wieder sein. Wir arbeiten wieder mit einem top Designer aus Italien zusammen und werden die Neuheiten wie immer auf der Light & Building in Frankfurt präsentieren.

 

„Bei uns sind Innovation und Tradition überhaupt kein Gegensatz, es fließen beide Elemente ein und man spürt und sieht unsere Herkunft.“

 

Wie werden die externen Designer ausgewählt?

Indem wir einerseits auf sie aufmerksam werden, weil die Designs bekannt sind, und wir sie aktiv ansprechen. Andererseits laden wir auch Designer laufend dazu ein, ihre Ideen zu präsentieren. Designer klopfen aber auch von selbst bei uns an. Wir hören und schauen uns jedenfalls immer alle Designideen an.

 

Handwerkskunst wird nicht nur groß geschrieben, sondern gelebt. © KOLARZ GmbH

 

KOLARZ ist international aktiv. Wie gelingt dieser Spagat zwischen österreichischem Heim-, dem europäischen und dem internationalen Markt beim Design?

Modernes Schmuckstück: Bei der Designlinie „Libertà“ vereinen sich zeitgemäßes Design auf Jugendstil. © KOLARZ GmbH

Das ist natürlich unsere Hauptaufgabe und -herausforderung.
Wir glauben vor allem, dass wir uns immer selbst treu bleiben müssen, und dass ein KOLARZ-Produkt überall auf der Welt reüssieren kann, auch wenn die Designvorlieben überall etwas anders sind. Diese unterschiedlichen Wünsche decken wir mit unserer Produktvielfalt ab.
Mit unserem Leuchtenportfolio bieten wir über 100.000 Produktvarianten und Lichtideen durch unterschiedliche Formen, Dekormöglichkeiten, Auf- und Abhängungen, und versuchen so, auf die einzelnen Märkte einzugehen.

 

Wird spezifisch für einen Markt designt?

Nein, gar nicht. Das haben wir auch nie gemacht. Wir designen für KOLARZ und vertreiben alle unsere Produkte international.

 

KOLARZ spielt mit Materialien, Formen, Design – mit eindrucksvollen Ergebnissen wie u.a. Paralume. © KOLARZ GmbH

 

Wie hat sich das Lichtdesign in den letzten Jahren entwickelt?

Vor zehn Jahren war ein riesiger Hype um Kristall. Also haben wir das klassische Kristalllicht modern interpretiert, wie mit „Stretta“ und „Dragon“, und versucht, Kristall in minimalistischer Form zu präsentieren, etwa mit dem Design „Twister“. Einen so modernen Kristallluster hat keiner von uns erwartet. Seither haben wir das moderne Kristallsortiment immer weiterentwickelt. Seit einigen Jahren setzen wir auch einen Fokus auf unsere handdekorierten Gläser und spielen mit Materialien und Designs.

 

„Die Leuchte wird immer mehr ein Lifestyle-Produkt“

 

Welche Materialien sind das konkret?

Blattgold, Blattsilber und Kupfer zum Beispiel. Den Trend zu Edelrost, der in der Baubranche oft mit Sichtbeton kombiniert wird, spiegeln wir im Lichtdesign. Wir setzen auch auf Floccato, auf Edelsamt, als Dekoration von Oberflächen. Holz wird ein Thema in den nächsten Jahren, ein weiteres ist Keramik.
Mit „Fonte di Luce“ haben wir ein starkes neues Kristall-Design kreiert – einen Wasserfall aus Licht und Kristall, der scheinbar direkt aus der Decke flutet. Und wir spielen weiterhin mit Materialien, Dekoren und Formen.

 

Wasserfall aus Licht und Kristall: „Fonte di Luce“. © KOLARZ GmbH

Worauf dürfen wir uns also freuen?

Wir entwickeln im Bereich Keramik und bei Holz weiter, genauso wie bei Stoffen, wodurch wieder andere Formen möglich sind. Man darf schon gespannt sein.

 

Das Thema Licht und Beleuchtung ist ja generell wichtiger geworden – oder trügt der Schein?

Eine Zeit lang standen andere Einrichtungsgegenstände im Vordergrund, Leuchten sind ein bisschen in Vergessenheit geraten.

Office, Wohnraum, Badezimmer, Küche – überall machen die Leuchten beste Figur. © KOLARZ GmbH

Jetzt kommen sie wieder und es ist oft eine gelungene Kombination von praktischer Grundbeleuchtung mit Spots und Seitenlichtern mit einem Eyecatcher, wobei dieser Akzent eben immer häufiger mit spektakulären Lichteffekten gesetzt wird.

 

Ist die Leuchte ein Lifestyle-Element?

Ja. Sei es vom Lichteffekt her, vor allem mit steuerbaren LEDs, Stichwort Smart Living, wie auch durch Materialien, Design und Form: Die Leuchte wird immer mehr ein Lifestyle-Produkt, wobei sich Kunden mit modernem Designgeschmack genauso einen klassischen Luster in Badezimmer oder Küche hängen wie klassisch orientierte Kunden moderne Leuchten ins Büro oder Esszimmer. Dieser Mix von moderner und klassischer Einrichtung ist spannend, wobei die Österreicher doch eher in unserem modernen Sortiment unterwegs sind.

Gediegener Style: KOLARZ-Leuchten veredeln auch High-Class-Restaurants. © KOLARZ GmbH

Top: Im Shanghai Tower beleuchten KOLARZ-Kreationen Ballroom und Multifunction Room. © KOLARZ GmbH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Individualität und „customized“ sind große Stichworte unserer Designzeit. Wie geht KOLARZ darauf ein?

Einerseits indem unsere Produkte vielfältig variiert werden können. Das Zweite ist das Schlagwort „tailormade“, also dass Architekten entweder unsere Leuchten in einer anderen Größe oder Form wollen und auch bekommen können, oder mit individuellen Designwünschen an uns herantreten, die wir dann gemeinsam mit ihnen entwickeln. Beides ist aktuell stark im Kommen. Durch unsere eigene Produktion sind wir dahingehend extrem flexibel und auch erfolgreich. Und auch dadurch entstehen bei uns immer wieder neue Ideen für neue Leuchten.

 

www.kolarz.at

 


Zur KOLARZ GmbH
Das Familienunternehmen KOLARZ wurde 1918 in Wien als Lampenschirm-Manufaktur gegründet und wird heute von Mag. Martin und Mag. Stefan Wögerbauer geführt. Mit seinem außergewöhnlichen Leuchtenportfolio von „Classic Emotion“ bis „Modern Inspiration“ hat sich das Label weltweit einen Namen gemacht. Der österreichische Leuchtenspezialist mit „Headquarter“ in Breitenfurt nahe Wien sowie Zentrallager und Endproduktion in Müllendorf (Burgenland) ist in über 52 Ländern der Welt präsent und neben dem von Österreich mit betreuten Deutschland in den weiteren Schlüsselmärkten mit eigenen Gesellschaften und Tochterfirmen aktiv.


 

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