wohndesigners

Das Raumschiff ist gelandet

Im eben erst eröffneten ÖAMTC-Mobilitätszentrum in Wien Erdberg ist das Neue Arbeiten im Maßstab eins zu eins verwirklicht worden. Die Büroausstattung kam überwiegend von Neudoerfler.
Von Harald Sager

Vom Neuen Arbeiten wird viel gesprochen, aber es ist relativ selten zu sehen. Ein brandneues und noch dazu gelungenes Beispiel gibt es aber: das eben erst eröffnete neue Mobilitätszentrum des ÖAMTC in Wien Erdberg. Wenn man durch dieses mehrstöckige, auf über 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgelegte Gebäude wandert, erschließt sich einem sofort und im Maßstab eins zu eins, wie viel durch die neuen, „aufgebrochenen“ Bürostrukturen gewonnen ist.

Neudoerflers individuell adaptierbare Arbeitsplätze. Ein Extra: Der Container lässt sich im ausgefahrenen Zustand auch als Sitzfläche verwenden. © Neudoerfler/Andreas Hafenscher

Man rufe sich bloß das traditionelle Bürogebäude, wie wir es kennen, ins Gedächtnis zurück: ein trostloser Flur, links und rechts geschlossene Türen mit Einzelbüros. Mitarbeiterkommunikation: bleibt außen vor. Stattdessen hier: ein mehrgeschoßiger Bau mit einem hohen Atrium und ringförmig angelegten offenen Büroräumlichkeiten. Kommunikation wird hier nicht verhindert, sondern gefördert.

„Der ÖAMTC möchte Sicherheit und Vertrauen vermitteln, auch nach innen. Daher hat jeder unserer Mitarbeiter, jede unserer Mitarbeiterinnen einen eigenen Arbeitsplatz.“

Auch rein von der Architektur her ist das ÖAMTC-Mobilitätszentrum ein kühnes, beeindruckendes Ding: Das dynamisch-schwungvolle, von einem Glas- und Stahlring umfangene Gebäude scheint wie ein Raumschiff auf einem Sockel gelandet zu sein und da jetzt zu ruhen. Im Inneren dominiert das von weißen Geländern eingefasste helle, luftige Atrium, das ein wenig an jenes des Guggenheim Museums in New York erinnert. Das jedoch, so Johann Traupmann vom ausführenden Architekturbüro Pichler & Traupmann, sei weniger die Inspiration gewesen, als vielmehr einen Raum zu schaffen, der von jedem Geschoß Einblick in die anderen gibt: „Das sorgt für die offene Anmutung, die den Mitarbeitern das Gefühl gibt, bienenkorbartig in einem größeren Ganzen eingebunden zu sein.“

Individuelle Arbeitsplätze im Rahmen von offenen Bürostrukturen. © Neudoerfler/Andreas Hafenscher

Das neue Arbeiten verwirklichen …

Ein bisschen Guggenheim, ein bisschen Bienenkorb: das Atrium im neuen ÖAMTC-Mobilitätszentrum. © ÖAMTC/Christian Postl

Fünf Jahre habe das Projekt von den ersten Ideen bis zur Fertigstellung gedauert, sagt Oliver Schmerold, Verbandsdirektor ÖAMTC. „Es ist darum gegangen, die bisherigen fünf ÖAMTC-Standorte in Wien in einer Zentrale zusammenzufassen, und wir haben uns bewusst entschieden, eine völlig neue, auf der Höhe der Zeit stehende Arbeits- und Bürosituation herzustellen.“ Dazu gehörte auch die grundsätzliche Entscheidung für offene Bürostrukturen im Gegensatz zu Einzelbüros. (Mit einer Ausnahme: das Büro des ÖAMTC-Präsidenten. Wie überraschend!) Oliver Schmerold: „Die Büros sollten nicht Hierarchien widerspiegeln, sondern die jeweiligen funktionalen Notwendigkeiten.“ Was den territorialen Arbeitsplatz aber keineswegs erübrigte: „Wir sind eine Organisation, die Sicherheit und Vertrauen vermitteln möchte – auch nach innen. Wir wollten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Sorge in der Früh ersparen: Wo sitze ich heute? Daher hat jeder seinen eigenen festen Arbeitsplatz. Darüber hinaus ist aber auch für andere Kommunikationsformen gesorgt.“ Diese finden in Besprechungszonen, Gemeinschaftsflächen und Rückzugsräumen statt.
Im „Change-Prozess“ unterstützt wurde der ÖAMTC vom Strategieberatungsunternehmen M.O.O.CON, das darauf spezialisiert ist, zwischen den Vorstellungen der Bauherren und der Architekten sowie den – baulichen, räumlichen, ausstattungsmäßigen und organisatorischen – Anforderungen der neuen Arbeitswelt zu vermitteln.

unter Einbindung der Belegschaft

Ein wesentliches Element war die „Akzeptanzsicherung“, sprich, die Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Change-Prozess. Karl Friedl, Geschäftsführer von M.O.O.CON: „Sie haben von Anfang an und den gesamten Prozess hindurch mitgewirkt. Daher wussten sie, was sie erwarten würde, sodass die Umstellung von der früheren auf die neue Arbeitsstätte minimal war.“

„Die Büros sollten nicht Hierarchien widerspiegeln, sondern die jeweiligen funktionalen Notwendigkeiten.“

Der Change-Prozess wurde geradezu generalstabsmäßig durchgezogen: Zum einen wurden 15 Personen aus den einzelnen Abteilungen – bewusst keine Führungskräfte – nominiert, die „Baukästen“ erstellten entsprechend den Fragestellungen: Was sind die Anforderungen an unser künftiges Büro, wie wollen wir es gestalten? Parallel dazu wurden regelmäßige „Townhall Meetings“ der Belegschaft einberufen, in denen der aktuelle Projektstatus bekanntgegeben und diskutiert wurde. Und drittens erstellten 80 repräsentative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen eines Workshops so genannte Moodboards, Visualisierungen dessen, was man sich wünschte und vorstellte. Karl Friedl: „Hier wurden die emotionaleren Komponenten des Projekts angesprochen, Fragen wie: Wie sehen wir uns als Unternehmen? Wie führen wir die Mitarbeiter, die bisher auf fünf Standorte verteilt waren, zusammen? Wie wollen wir uns im neuen Mobilitätszentrum fühlen? Was braucht es dazu?“ Bei diesem Projekt, resümiert Friedl, wurde Mitarbeiterpartizipation einmal nicht vorgegaukelt, sondern tatsächlich gelebt.

Mangelnden Schwung kann man der neuen Erdberger Landmark nicht vorwerfen. © ÖAMTC/Toni Rappersberger

Die Inputs wurden vom Architekten und M.O.O.CON begleitet und koordiniert. Im Ergebnis sehen jetzt die einzelnen Geschoße – entsprechend den Vorstellungen und Anforderungen der jeweiligen Abteilung – unterschiedlich aus. Auch eine Überraschung gab es, so Oliver Schmerold: „Letztlich wurden deutlich weniger Trennwände benötigt als prognostiziert!“
Den Zuschlag zur Büroausstattung erhielt Neudoerfler. Die Firma sei, so Oliver Schmerold, die flexibelste gewesen, den Change-Prozess in allen Etappen mitzutragen. Dazu gehörte zum Beispiel die Bereitstellung der erwähnten Möbel-„Baukästen“ sowie von Möbeln zur Ausstattung von „Testbüros“, mit deren Hilfe die optimalen Bürosituationen in den einzelnen Abteilungen ermittelt wurden.

Weg vom Einzelbüro, hin zur offenen Gemeinschaftsfläche. Die Stalaktiten dienen übrigens, ebenso wie die Teppiche, der Schallabsorption. © ÖAMTC/Toni Rappersberger

Neudoerfler entwickelte individuell adaptierbare Arbeitsplätze sowie, entsprechend den Bedürfnissen und Wünschen der Mitarbeiter, auch neue Möbel: so etwa einen an den Schreibtisch gebundenen Container, der sich im ausgefahrenen Zustand auch als Sitzfläche verwenden lässt. Für den Fall, dass sich ein Kollege kurz und informell an den eigenen Arbeitsplatz dazusetzen möchte, ist damit vorgesorgt. „Wir betrachten es als eine unserer Kernkompetenzen, mitten im Prozess neue Lösungen zu finden“, fasste es Helmut Sattler, CEO von Neudoerfler Office Systems, zusammen.

www.neudoerfler.com

www.moo-con.com


WOHNDESIGNERS Klick-Tipps:


Follow

Get every new post delivered to your Inbox

Join other followers: