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Eine Lounge mit viel Feeling

Design zwischen Himmel und Erde kreierte Nina Mair. Am Innsbrucker Flughafen verbindet sie gekonnt „Urban design and Alpine crafts“.

 

Innsbruck hat ein neues Wahrzeichen. Am Airport. Hier, wo Gäste aus aller Welt zusammen kommen, gestaltete Nina Mair einen besonderen Ort. Die kreative Gestalterin entwarf die Vielfliegerlounge des Innsbrucker Flughafens und schuf einen Platz zum Wohlfühlen und für kulinarische Genüsse, einen exklusiven Raum, um sich vor dem Abflug zu entspannen und den spektakulären Blick auf das Alpenpanorama und das Geschehen auf dem Flugfeld zu genießen, um zu arbeiten und sich inspirieren zu lassen.

 

Zum Abheben: Nina Mair entwarf die neue Vielfliegerlounge am Innsbrucker Flughafen. © Peter Philipp

 

„Urban design and Alpine crafts“ lautete der Gestaltungsleitfaden der Innsbrucker Designerin und ihrem Team – und urbane, zeitgenössische Gestaltung und alpine Handwerkskunst treffen hier auf faszinierende Weise zusammen. Nicht nur im großen Ganzen, sondern auch in den liebevoll gestalteten Details überall in der Lounge lässt sich diese Kombination entdecken. Der Entwurf sticht durch seine außergewöhnliche Gestaltung und seine wohnliche Atmosphäre hervor.

 

„Es geht vordergründig darum: man soll sich wohl fühlen.“

 

„Das Fliegen im Allgemeinen ist zwar die schnellste Art zu reisen, aber definitiv auch die bei der man am strengsten reglementiert wird. Neben der extremen räumlichen Einschränkung gibt es Verhaltenscodizeswelche man befolgen muss. Ein ziemlicher Ausnahmezustand“, meint die Designerin mit ironischem Unterton. „Umso bedeutender ist deshalb die Funktion einer Vielfliegerlounge. Sie ist eine Art Zwischenraum, ein Ruheraum, ein Erholungsbereich zwischen dem hektischen Treiben des Flughafens und dem an Bord gehen. Es ist der Platz an dem man sich geerdet fühlt, an dem man durchatmen und entspannen kann und an dem man den Moment genießen kann. Es geht vordergründig darum: man soll sich wohl fühlen“, so die Gestalterin.

 

Komfortzone

Nina Mair und ihr Team gingen bei der Gestaltung der Vielfliegerlounge auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse der verschiedenen Kundenschichten ein. Die Erwartung sind dabei ganz unterschiedlich und so umfasst das Konzept der kreativen Interior Designerin viele unterschiedliche Zonen und Bereiche mit jeweils ganz eigenem Charakter. Naturmaterialien wie Stein, Holz, und Wollstoffe verleihen dem Raum Wohnlichkeit, unterschiedliche Sitzmöbel – vom Sofa, über den Essplatz bis hin zu Barhockern – laden zum Platznehmen ein, fast wie zuhause. Ob man es sich im gemütlichen Loungesessel bequem macht oder nur einen schnellen Espresso an der Bar trinkt – alles ist hier möglich.

 

Dem Gestaltungsmotto „Urban design and Alpine crafts“ gemäß verbinden sich hier urbane, zeitgenössische Gestaltung und alpine Handwerkskunst. © Peter Philipp

 

Regionales Stein-Design

So findest sich in der Lounge auch eine „Küche“. In diesem Selbstbedienungsbereich, in dem Getränke und Speisen zur Verfügung stehen, hat Nina Mair ganz bewusst archaische Materialien wie Stein, Kupfer und unbehandeltes Holz eingesetzt. Das zentrale Element ist der freistehende, über zwei Meter lange Steinbrunnen. Hier zitiert die Gestalterin ein Architekturelement das typisch für alpine Gemeinden ist: Den Brunnen als Mittelpunkt am Dorfplatz, wo man sich trifft, kommuniziert, spielt, sich erfrischt. Der Brunnen der Vielfliegerlounge ist dabei mit dem für Innsbruck typischen Stein „Höttinger Brekzie“ aus einem ganz besonderen Stein gemacht, der in einem nahe gelegenen Steinbruch abgebaut wird und das Stadtbild Innsbrucks prägt. War es die Idee, ein Stück Innsbrucker Materie hier zum Einsatz zu bringen, wurde dies auf wunderbare Weise realisiert.

 

Ein echter Genuss: Von gemütlichen Sitzmöbeln bis zu Barhockern wird zum Platznehmen eingeladen, die „Küche“ begeistert mit archaischen Materialien. Ein Highlight der „Stube“: Die Leuchte Granny, gestrickt von Hand aus Ötztaler Bergschafwolle. © Peter Philipp

 

Moderne „Stube“

Ebenfalls einen Hauch Regionalität, aber auf moderne Weise ist mit der zeitgenössischen Variante der Tiroler „Stube“ eingezogen. Hier wechselt zum ersten und einzigen Mal das Fußbodenmaterial von Terrazzo auf Holz. Konkret Eichenparkett, das auch als Täfelung an der Wand eingesetzt wird und hier eine gemütliche warme Atmosphäre schafft. Hierin spiegelt sich eindrucksvoll Nina Mairs gekonnter Einsatz von Materialien. Im ganzen Raum hat die Gestalterin vor allem Naturmaterialen – also Stein, Holz, Leder und Wollstoffe – eingesetzt. „Besonders bei den Sitzmöbeln war uns wichtig, dass Materialien verwendet werden die man gerne berührt und die wohnlich sind“, so Nina Mair. Wie auch die Leuchte Granny, die aus Ötztaler Bergschafwolle von Hand gestrickt wird – eine Besonderheit in der Stube.

 

Mit Panorama und Wohnzimmer

Einer der spektakulärsten Bereiche befindet sich direkt an der raumhohen Fensterfront, von der aus man einen freien Blick auf das Rollfeld und das beeindruckende Bergpanorama hat. Gemütliche Loungesessel laden hier zum Verweilen ein, Lademöglichkeiten für elektronische Geräte finden sich bei allen Sitzplätzen, meistens direkt in den Möbeln integriert.

 

„Besonders bei den Sitzmöbeln war uns wichtig, dass Materialien verwendet werden die man gerne berührt und die wohnlich sind“

 

Noch mehr Sitzgelegenheiten, die einen ähnlich spektakulären Ausblick bieten, warten im „Wohnzimmer“, der sich als kommunikativerer Bereich – auch für ganze Gruppen – erweist. Mairs Anspruch war es, die Gemütlichkeit eines Wohnraums zu erzeugen, und dies schafft die Designerin über die Art der Möblierung wie auch über die Zonierung durch feine Webteppiche aus Schafwolle. Alle Teppiche wurden extra für dieses Projekt entworfen und werden von einer Tiroler Manufaktur von Hand gewoben.

 

Edel, komfortabel mit einer großen Prise Tirol und Innsbruck „inside“ zieht die von Nina Mair entworfene Vielfliegerlounge in ihren Bann. © Peter Philipp

 

Etwas anderer Working Space

Bewusst introvertierter gestaltet sind mehrere Sitzmöbel, die ihrerseits als „Arbeitsplätze“ funktionieren. Schirmen die hohe Rückenlehne und die Seitenteile akustisch und räumlich ab, war die Akustik neben dem Lichtkonzept eines der wichtigsten Themen, die Nina Mair gekonnt anpackte. So hallt der fast 300m² große und 4,5 m hohe Großraum selbst wenn sich sehr viele Personen darin aufhalten nicht, sondern ist leise. Der Clou liegt einerseits an der speziellen Akustikdecke, andererseits aber auch an mehreren im Raum verteilten Raumteilern. Diese raumhohen Zonierungselemente sind sowohl mit Schallschirmen als auch mit transparenten Gitterelementen, die von einem Tiroler Schlosserbetrieb gefertigt wurden und mit ihrer Schindelform und ein abstrahiertes Zitat auf das „goldene Dachl“ darstellen.

 

„Der Raum soll einladen zum Schmökern und sich inspirieren lassen, aber vor allem dazu den Moment zu genießen.“

 

Ein gelungenes Mix & Match von Tradition und Innovation, ist die „Bibliothek“ ein ebenso gemütlicher wie einzigartiger „place to be“. Das raumhohe Regal birgt interessante Bücher, die sich der Fluggast für die Dauer seines Aufenthaltes ausleihen kann. „Für mich ist diese Bibliothek ein Symbol dafür, dass Tirol viele Inhalte zu bieten hat. Hier können die Gäste Bücher über Kunst, Architektur und Fotografie finden. Der Raum soll einladen zum Schmökern und sich inspirieren lassen, aber vor allem dazu den Moment zu genießen“, so Nina Mair, die mit der Airport Lounge Innsbruck einen besonderen Ort schuf – gewissermaßen zwischen Himmel und Erde.

 

www.ninamair.at

 


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