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Vom Raum zum Möbel

Iria Degen ist seit Februar 2000 selbständig mit Büros in Zürich und Mallorca tätig. Ihr Team besteht aus zwölf Mitarbeiter – Innenarchitekten, Architekten und Designer. Die Schweizerin absolvierte ihre Ausbildung zur Innenarchitektin an der Ecole Camondo in Paris und verdiente sich dort auch ihre ersten Sporen im renommierten Innenarchitektur-Büro von Andrée Putman. Mit ihrem Entwurf „Moon“ für Intertime setzte sie jetzt einen konkreten Schritt in die Möbelbranche.
Von Gerhard Habliczek

 

Sie kommen aus der Innenarchitektur, wie kommen Sie zum Möbel?

Iria Degen, Innenarchitektin und Designerin des „Moon“ von Intertime. © Iria Degen/Intertime

Es ist das erste Mal, dass wir in dieser Form, sprich an einem Serienprodukt, arbeiteten. Unsere bisherigen Entwürfe waren völlig markenneutral. Das heißt, wir haben bisher Möbel in diversen Projekten nur punktuell entworfen und die dann auch eigens angefertigt. Also wirklich nur in Bezug auf die Räume, auf die Innenarchitektur mit dem räumlichen Kontext und ganz spezifisch auf den jeweiligen Kunden. Das waren dann auch immer sogenannte Prototypen die nie weiterentwickelt oder verfeinert wurden. Jetzt hat sich die Zusammenarbeit mit Intertime ergeben und „Moon“ ist unser erstes Möbel mit Seriengedanken.

 

Als Innenarchitektin sehen Sie den Raum, ein Möbel ist ein Detail davon. Wie passt das für Sie zusammen?

Da liegt eigentlich genau unser Ansatz. In der Innenarchitektur schaffen wir mit unseren Projekten Räume, die etwas können müssen und die Nutzerbedürfnisse erfüllen müssen. Wir denken da auch in Atmosphären – Emotion im Raum – wie erfährt man etwas haptisch – wie von der Temperatur – hell/dunkel – laut/leise usw. Also unser Ansatz geht nicht vom Produkt her nach außen, sondern vom Raum her nach innen in das Produkt. Und dann wird alles ein harmonisches Ganzes.

 

„‘Moon‘ ist unser erstes Möbel mit Seriengedanken“

 

Rundum gelungen: „Moon“ von Intertime. © Intertime

Nehmen wir zum Beispiel das Thema Haptik. In unserem Designprozess greifen wir sehr schnell zum Materialbord, weil wir überzeugt sind, dass wir damit den Kunden emotional berühren. Speziell die Haptik, etwas anfassen zu können und sich dabei gut fühlen, hat einen sehr hohen Stellenwert und wird diesen auch immer haben. Wenn bei einem Produkt die Haptik stimmt, dann passt das einfach und verkauft sich auch.

 

Bleiben wir beim Material. Welche Materialien bevorzugen sie und wo geht da die Reise hin?

Wir arbeiten sehr gerne mit natürlichen Materialien. Nachhaltigkeit ist ein großes Thema, aber auch einfach das Spüren der Natur. Wenn man zum Beispiel einen originalen Parkettboden anschaut, dann weiß man, das ist kein copy-paste von einem vorgefertigten Produkt, sondern es ist wirklich mit der Natur verbunden. Es verkörpert die Langlebigkeit und damit ist es auch nachhaltig. Und das wird meiner Meinung immer mehr geschätzt.

 

„Wir haben unzählige Möglichkeiten diesen Sessel, diese Form zu interpretieren.“

 

Was ist zu „Moon“ zu sagen?

Das Charakteristische an „Moon“ ist die runde Form. Von Intertime kennt man ja bisher Sofas und Liegen eher mit linearen Formen und schlichten Linien. Wir sind mit „Moon“ ebenso schlicht in der Linienführung, aber viel weicher, viel runder, viel femininer.
Dieser Sessel, das stand im Briefing so, sollte als Solitär schön dastehen aber auch als ein Paar – in der Regel gegenüber einem Sofa. Wir haben uns in unserem Entwurf an ganz zeitlosen Rundungen orientiert, an einem umhüllenden Schal und an einer weichen Linienführung, die nicht modisch empfunden wird, sondern sehr zeitlos rüberkommt.

 

Klare runde Form: „Wir sind mit ‚Moon‘ ebenso schlicht in der Linienführung, aber viel weicher, viel runder, viel femininer“, beschreibt Iria Degen die Kreation. © Intertime

 

Wir haben unzählige Möglichkeiten diesen Sessel, diese Form zu interpretieren. Der Schal ist ein Teil, der Rücken ist ein Teil und dann die Sitzfläche. Auf der imm cologne haben wir uns eine Spielerei erlaubt. Weil der Sessel „Moon“ heißt, zeigten wir ihn in nachtblauen Tönen mit Samt. Aber es sind auch andere Stoffe oder auch Leder in Kombination mit strukturierten Textilien oder glatten Stoffen möglich. Es ist sehr spannend zu beobachten wie jeder Sessel dann einen anderen Ausdruck bekommt, je nach Kombination.

 

Ein Hocker ergänzt den Sessel. „Man muss Sessel und Hocker als Gesamtkonzept sehen“, so Degen. © Intertime

 

Ergänzt wird der Sessel durch einen Hocker, der eigentlich konzeptionell aus der Sitzfläche heraus entstand. Diesen kann man sehr schön als zusätzliche Sitzgelegenheit, aber auch als Ablage oder Beistelltisch nutzen. Man muss Sessel und Hocker als Gesamtkonzept sehen. Als Solitärmöbel, in der Gruppe, gegenüber einer Couch mit Drehelement auf Wunsch – es ergibt sich zusammengesehen eine abgerundete Geschichte wo auch die Einsatzbereiche dadurch erweitert werden.

 

www.iriadegen.com

 


Zu Iria Degen und Intertime – Eine Frage an Johannes Weibel, Geschäftsführer Intertime:
Wie sind Iria Degen und Intertime zusammengekommen?

Johannes Weibel, Geschäftsführer Intertime. © Intertime

Ich kenne die Arbeiten von Iria Degen schon länger, weshalb wir das Schaffen von ihr und ihrem Büro schon seit einiger Zeit beobachten. In einer internen Sitzung haben wir bei Intertime entschieden, einmal einen anderen Weg einzuschlagen. Wir wollten mit einem neuen Partner zusammenarbeiten, um so frischen Wind in die Kollektion zu bringen. Wir kamen schnell auf die Idee, mit einer Innenarchitektin das neue Sitzmöbel zu entwickeln und schauten uns, wie bei uns üblich, in der Schweiz nach einer geeigneten Kandidatin um. Der Name Iria Degen ist in unserem Team sehr schnell gefallen und so haben wir den Kontakt gesucht und gefunden. Wie gesagt kannten wir ihre Arbeiten, daher auch ihren Stil, weshalb für uns klar war, dass eine Zusammenarbeit passen würde.

„Wir kamen schnell auf die Idee, mit einer Innenarchitektin das neue Sitzmöbel zu entwickeln.“

Speziell die Themen Nachhaltigkeit und Natürlichkeit, die Iria Degen in ihren Projekten und Produkten verkörpert passen perfekt zur Marke Intertime. Als Luxusmarke kommt man nicht mehr darum herum sich über nachhaltige Themen Gedanken zu machen. Unser Bekenntnis zur Nachhaltigkeit beginnt schon bei der Beschaffung der Materialien: Wo kommt das Leder her, wo wird es gegerbt und das setzt sich bei Stoffen und allen anderen Materialien die wir verwenden fort. Wir schauen ganz genau hin wo, was und wie hergestellt wird und vor allem was drin steckt.
Wir achten auch darauf, dass unser Beschaffungsradius sehr eng bleibt. Wir kaufen unsere Rohware nicht in Südamerika, sondern in Süddeutschland und lassen sie in Italien und Deutschland gerben und nicht irgendwo. Das hat auch was mit den Transportwegen zu tun, mit Logistik und schlussendlich mit Umwelt und Kosten.

www.intertime.ch


 

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