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(K)Eine Frage von Akustik & Design

Das Thema Akustik bewegt und kommt zugleich oft zu kurz, in aktuellen Ausbildungskonzepten ebenso wie bei der praktischen Umsetzung. Die New Design University St. Pölten setzt mit dem Lehrgang „Akustik & Design“ einen Kontrapunkt, geht neue Wege und eröffnet ein vielfältiges Themenfeld. Doch was hat Akustik mit Design zu tun? Viel – und noch viel mehr ist möglich, wie der zweisemstrige Lehrgang aufzeigt und vermittelt. Akustik und Design sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille – der Erfolgsmedaille. Für Helmut Kienast, Studiendekan Fakultät Technik & Lehrgangsleiter Akustik & Design an der NDU, sind es zwei „Themen, die sich bedingen, um aktuell erfolgreich zu sein.“

 

Der Lehrgang ist als Zusatzqualifikation etwa auch für Architekten und Baufachleute gedacht. Wie viel oder wenig kommt dast Thema „Akustik“ in deren gängigen Ausbildungen vor?

Helmut Kienast, Studiendekan Fakultät Technik & Lehrgangsleiter Akustik & Design der NDU. © NDU

Zu allererst sei zu erwähnen, dass sich der universitäre Lehrgang Akustik & Design grundsätzlich nicht nur an Architekten richtet, sondern an alle Berufszweige und auch an individuell Interessierte, die mit dem Thema Akustik und Design zu tun und dazu eine Affinität haben, also von Architekten über Audiotechniker bis zu Produkt- und Materialdesignern, Raum- und Gebäudeplanern, Bauingenieuren und Baumeistern. Das Thema ist essenziell für Industrie, Wirtschaft und für viele Bereiche und Personen unterschiedlichster Berufe, deswegen wurde die Zielgruppe breit gefächert und der Lehrgang bewusst so konzeptioniert.

 

„Wichtig ist uns, dass Absorber und schalldämmende Elemente so entworfen werden, dass sie Teil des Raumthemas sind, dieses sogar mitgestalten. Deswegen sind Akustik und Design zwei Themen, die sich kongruieren und konvergieren.“

 

Um die Frage nach der Quantität an akustischer Lehre im Studium der Architektur oder bei Baufachleuten zu beantworten, möchte ich den pädagogischen Ansatz unseres Lehrganges erörtern. Absolventen des Lehrgangs Akustik & Design können akustische Elemente und Schallschutz konzeptionieren und realisieren, aber nicht nur in rein technischen Kompetenzen, sondern auch hinsichtlich Designfaktor. Die NDU ist eine Design-Universität und daher wird bei uns viel Wert auf den innovativen Designcharakter gelegt. Es geht nicht nur darum, wie viel Schallschutzelemente absorbieren können, sondern auch, wie ein Absorber zu einem Raumcharakter oder einer städtebaulichen Maßnahme passt, wie er integriert werden oder wie man damit Akzente setzen kann.
Wichtig ist uns, dass Absorber und schalldämmende Elemente so entworfen werden, dass sie Teil des Raumthemas sind, dieses sogar mitgestalten. Deswegen sind Akustik und Design zwei Themen, die sich kongruieren und konvergieren.

 

„Sobald man kreativ und innovativ wird, also ein Design entwirft mit einer besseren Akustik als Ziel, ist man schon bei diesem Konglomerat Akustik und Design.“

 

Jedes „Produkt“ hat ein bestimmtes Material und sobald mit Material gearbeitet wird, braucht es eine gewisse Kreativität und Innovation und ein bestimmtes Ziel. Sobald man kreativ und innovativ wird, also ein Design entwirft mit einer besseren Akustik als Ziel, ist man schon bei diesem Konglomerat Akustik und Design. Technische Absorber gibt es ja schon länger, sind Akustiklösungen aber von Anfang an klug und gut gemacht, sind sie auch ein Designparameter, um den Raum wirken zu lassen. Auch das Produktdesign per se hat sich verändert und so lassen sich zum Beispiel Lautsprecher komplett in Möbel einfassen. Genauso ist es mit Absorbern. Sie können so entworfen werden, dass sie Teil des Raumthemas sind, dieses sogar mitgestalten. Deswegen sind Akustik und Design für mich Themen, die sich bedingen, um aktuell erfolgreich zu sein.

 

„Technische Absorber gibt es ja schon länger, sind Akustiklösungen aber von Anfang an klug und gut gemacht, sind sie auch ein Designparameter, um den Raum wirken zu lassen.“

 

Als Designuniversität ist uns auch der Ansatz des „Design Thinking“ wichtig, also im Sinne des nutzerorientierten Denkens Optimierungsmöglichkeiten und neue Ansätze zu entwickeln. Daher werden wir uns auch „worst case“- und „best case“-Beispiele anschauen, also wo funktionieren Akustik und akustische Adaptierungen gut und wo nicht, und das wiederum nicht nur in technischer Hinsicht mit Schallschutz-Messungen, sondern auch wirklich hinsichtlich des Designcharakters. Absolventen des universitären Lehrgangs schließen mit dem Titel „Akademisch geprüfter Akustiker/In“ ab.

 

In welchen Bereichen bekommen Akustik und Schallschutz heute zunehmende Bedeutung?

Sowohl bei Neubauten, Indoor wie Outdoor, als auch bei Sanierungsarbeiten ist das Thema Akustik ein immens wichtiges. Denken wir beispielsweise an Businesseinrichtungen wie Konferenzräume. Herkömmliche Meeting-Räume haben ausgedient, virtuelle Konferenzen, oft über Landesgrenzen hinweg mit visuellen, digitalen und audiotechnischen Aufbereitungen von Präsentationen müssen in jedem Raum „funktionieren“. Dies inkludiert auch die Implementierung von Schallabsorbern. Mehrzweckhallen, Konzertsäle, Bauten für pädagogische Vorträge wie Vortragsräume, Schulen, Universitäten oder auch open-space Büros, bei dem der Lärmpegel so konzeptioniert werden muss, um ein konzentriertes und kompetentes Arbeiten zu ermöglichen.

 

Die Zukunft beginnt – und zwar mit dem Lehrgang „Akustik & Design“ an der NDU St. Pölten. © Shutterstock

 

Im Privaten geht es einerseits um den optimalen Schallausgleich in der Wohnung oder im Haus, also um psychologische Parameter, dem Wohlfühlfaktor. Neben dem psychologischen ist auch der soziale Bereich wichtig, also, dass eine für alle angenehme Lautstärke vorherrscht. Dies gilt auch für Wellnessbereiche, Hotels, öffentliche Gebäude. Je mehr Menschen, desto komplexer und anspruchsvoller die Thematik.
Bei Sanierungsarbeiten lassen sich zwei Ansätze unterscheiden. Der eine ist, dass bei Kernsanierungen in Altbauten schon noch in die Primärstruktur eingegriffen werden kann. Der zweite Ansatz ist, dass bei Grobsanierungen mit technischen Adaptierungen, mit bestimmtem Know-how gute Performances erreicht werden können. Ich denke dabei zum Beispiel an Vorhangstoffe, an Böden, aber auch an weiche Materialien wie Holz, bestimmte Schaumstoffzusammensetzungen oder Stoffe, die viel zur Akustik beitragen und an ein bestimmtes Raum- oder Gebäudethema angepasst im Design viel bewirken können.

 

„Neben dem psychologischen ist auch der soziale Bereich wichtig, also, dass eine für alle angenehme Lautstärke vorherrscht.“

 

Der Schallschutz im Freien implementiert jegliche Form von Bauten im Freien Raum. In der Gestaltung von Kinderspielplätze oder Schulinnenhöfe im urbanen Raum, infrastrukturelle Maßnahmen wie Lärmschutz von Eisenbahntrassen, Autobahnen aber auch Tunnel und Unterführungen.
In diesem Kontext sei auch der „denkende Absorber“ erwähnt. Digitalisierung, Smart City, Smart Living und künstliche Intelligenz wird auch die Realisierung von Schallschutz beeinflussen. Ich denke an Schallschutzelementen die sich je nach Lärmintensität verändern, anpassen, ja selbständig optimieren können.

 

„Wichtig in diesem Bereich ist ein großes Know-how des „state of the art“. Genau das wollen wir in dem Lehrgang vermitteln.“

 

Wichtig in diesem Bereich ist ein großes Know-how des „state of the art“. Genau das wollen wir in dem Lehrgang vermitteln: Was state of the art und aktuell möglich ist, um einen Raum akustisch zu adaptieren, das technische Know-how und welche Optionen es hinsichtlich Design gibt, um bei besserer akustischer Performance den Raumcharakter zu erhalten oder zu verbessern. Dann obliegt es ohnehin einer flexiblen und individuellen Anwendung, weil jeder Raum, die räumlichen und technischen Möglichkeiten und natürlich die Kundenwünsche anders sind.

 


Der nächste Universitätslehrgang „Akustik & Design“ an der NDU startet im Herbst 2018. Noch sind Anmeldungen möglich. Ein Bericht mit allen Infos dazu findet sich hier online auf WOHNDESIGNERS.


Quelle: NDU

www.ndu.ac.at

 


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1 Antwort zu “(K)Eine Frage von Akustik & Design”
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  1. […] und Materialdesignern, Raum- und Gebäudeplanern, Bauingenieuren und Baumeistern“, erklärt Helmut Kiennast im ausführlichen Interview. Alle Informationen zu Anmeldung, Zugangsvoraussetzungen sowie Curriculum finden sich hier online […]



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