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Innovativ, aber nicht experimentell

Eben erst hat KFF neue Modelle der erfolgreichen Stuhl- und Sesselserien D-Light und Caal vorgestellt. Sie stammen vom niederländischen Designer Steven Schilte, der für etliche namhafte Polstermöbelhersteller arbeitet. Sein designerisches Credo ließe sich so zusammenfassen: Innovation ja – aber keine Experimente!
Von Harald Sager

 

Der niederländische Designer Steven Schilte passt seine Arbeitsweise dem Auftraggeber an. © Schilte

wohndesigners: Sie haben für KFF das Modell D-Light entworfen, das es als Lounge-Sessel und als Stuhl – in beiden Fällen mit und ohne Armlehnen –, als Chaiselongue, Thekenstuhl und Bank mit drei bis fünf Sitzen gibt. Was ist der Grundgedanke beim D-Light, wie kommt er an? Da es sich um eine mittlerweile breite Modellfamilie handelt, nehme ich an, gut!

Steven Schilte: Als der D-Light im Jahr 2014 vorgestellt wurde, war er noch etwas strenger konzipiert, aber wir haben ihn nach und nach sanfter und wohnlicher gemacht. Es sollte ein Stuhl sein, auf dem man nicht nur den ganzen Abend bequem sitzen kann, sondern sich dabei auch bewusst ist: Das ist, von der Qualität und Ästhetik her, ein richtig guter Stuhl, einer, der sozusagen hält, was er verspricht.
Ursprünglich war der D-Light dafür gedacht, dass man bei Tisch darauf sitzt. Daraus haben wir ihn dann für andere Verwendungen – als Thekenstuhl und Bank – weiterentwickelt. Eben erst ist er, unter der Bezeichnung D-Light Lounge, auch als Sessel und Longchair dazugekommen und auf der diesjährigen imm cologne vorgestellt worden.
Der D-Light hat sich zu einem großen Erfolg ausgewachsen und verkauft sich außerordentlich gut, er wird übrigens auch im Objektbereich von KFF stark eingesetzt. Dass er so erfolgreich ist, schließe ich nicht zuletzt auch aus dem Umstand, dass er vielfach kopiert worden ist. Allein auf der diesjährigen Brüsseler Möbelmesse habe ich sechs Hersteller gesehen, die ähnliche Modelle vorgestellt haben. Man könnte geradezu von einem Trend sprechen, den ich da losgetreten habe.

 

„Der D-Light von KFF ist ein Stuhl, der sozusagen hält, was er verspricht.“

 

Wie würden Sie den D-Light beschreiben?

KFFs D-Light Lounge designed by Steven Schilte. Das als Longchair und Sessel mit Drahtkufengestell, mit und ohne Armlehne, kommende Modell ist auf der diesjährigen imm cologne vorgestellt worden. © Hersteller

Der D-Light hat einen Nerv getroffen, und ich nehme an, das liegt vor allem daran, dass er einfach und „basic“ ist, zugleich aber doch seine ganz eigene Form hat. Er hat nicht nur einen komfortablen Sitz, sondern auch eine gewisse Leichtigkeit in puncto Maße und Gewicht. Und auch von seiner Anmutung her, was an dem Kontrast zwischen dem gepolsterten Korpus und dem filigran wirkenden Drahtkufengestell liegt. Er wirkt sofort vertraut, obwohl er von der Form her total anders ist als das meiste, was auf dem Markt ist.
Der D-Light hat eine kompakte und lässige Ausstrahlung und eine – natürlich beabsichtigte und von den Kunden auch sehr geschätzte – Faltenbildung, was sich bei Stoff, aber insbesondere auch bei Leder gut macht. KFF ist ja gerade in der Lederverarbeitung stark. Überhaupt möchte ich diesem Hersteller Rosen streuen: Man kann nicht mit jedem ein Produkt machen, das am Ende so fein aus dem Haus geht. Gerade bei einem Stück, bei dem es, wie eben beim D-Light, sehr auf die Details ankommt.

 

Auch den Stuhl Caal und den Sessel Caal Lounge, beide mit Sessellehnen, haben Sie für KFF entworfen. Was ist das Besondere an diesem Modell?

Der Sessel Caal Lounge, eine der diesjährigen Neuheiten von KFF, fügt sich mit größter Selbstverständlichkeit in jeden Raum ein.  © Hersteller

Der Stuhl Caal ist im Vorjahr auf den Markt gekommen, der Sessel Caal Lounge eine Neuheit dieses Jahres. Es ist ein kubistisches Sitzmöbel, das eigentlich recht „normal“ wirkt. Bei den Möbelstücken von KFF geht es ja darum, dass sie einerseits „normal“ aussehen, dass aber am klaren Design und der sauberen Verarbeitung sofort erkennbar ist, dass sie von KFF sind – mein Kompliment an die Firma! Man sitzt übrigens außerordentlich gut darin.
Stuhl und Sessel sehen einander sehr ähnlich, nur dass Ersterer stärker nach hinten geneigt ist. Er ist fürs Esszimmer gedacht – bei Tisch braucht man mehr Bewegungsfreiheit. Der Sessel Caal Lounge passt überallhin in den Raum. Es kommt auf Wunsch mit einem Ottoman, der wahlweise als Fußhocker oder als Beistelltischchen eingesetzt werden kann.

 

„Das Spannungsfeld besteht darin, etwas Neues hinzuzufügen, ohne sich von der vorhandenen Kollektion allzu weit zu entfernen.“

 

Ein erster Entwurf des D-Light, der sich inzwischen zu einer ansehnlichen Modellfamilie ausgewachsen hat. © Hersteller

Seit wann sind Sie für KFF tätig, wie ist die Zusammenarbeit, wird es von Ihnen weitere Entwürfe für KFF geben?

Der D-Light, der 2014 herauskam, war unser erstes gemeinsames Projekt – die Zusammenarbeit mit KFF war von Anfang an sehr gut. Heuer sind, wie gesagt, der D-Light Lounge und der Caal Lounge präsentiert worden, und im nächsten Jahr wird sicher etwas Neues dazukommen. Es ist nicht so, dass ich einen Sessel entwerfe, und dann ist Schluss. Es geht mir vielmehr darum, ganze Kollektionen entstehen zu lassen – im Fall von D-Light und Caal geschieht das ja auch.

 

Sie haben neben KFF auch für zahlreiche andere namhafte Hersteller wie Machalke, Lam Lee, WK Wohnen, Ikea, de Sede, Rolf Benz, Bonacina oder Molinari, um nur einige zu nennen, gearbeitet. Viele Ihrer Entwürfe sind Sofas. Wie gelingt es Ihnen, immer wieder neue Sichtweisen auf die gleiche Aufgabe zu finden?

Steven Schiltes Black Jack-Sofa für Machalke: flacher Rücken, variable, mit Magneten fixierte Rückenlehnen, die dazu einladen, die unterschiedlichsten Liege- und Sitzpositionen einzunehmen. © Hersteller

Wie ich arbeite, hängt ganz vom Auftraggeber ab – das ist bei jedem anders. Ich arbeite für KFF auf eine bestimmte Art, für einen anderen Kunden auf eine andere. Ich bin schon lange in dem Geschäft und dabei draufgekommen, dass mir alles, was ich mache, sehr nahe ist. Meine Designs haben sehr stark mit mir, mit meiner eigenen Vision zu tun. Andererseits müssen sie sich in den bestehenden Stil, die existierenden Kollektion des jeweiligen Auftraggebers einfügen und dessen Gefallen finden. Gleichzeitig sollten sie aber auch einen ästhetischen bzw. funktionalen Mehrwert bringen, den es vorher nicht gab.
Das ist das Spannungsfeld, in dem ich mich bewege: etwas Neues hinzuzufügen, ohne mich von der vorhandenen Kollektion allzu weit zu entfernen. Denn es ist ja so, dass die Kollektion des jeweiligen Auftraggebers zugleich die Nische ist, die er auf dem Markt für sich besetzt. Es ist seine „Corporate Identity“. Daran ist nicht zu rütteln.

 

„Meine Arbeiten sollen einen funktionalen bzw. ästhetischen Mehrwert bringen, den es vorher nicht gab.“

 

Das Sofa Crack 300 für Machalke: stilistisch konventionell, technisch innovativ. © Hersteller

Die Inputs und Tools, die mir der Auftraggeber an die Hand gibt, sind wesentlich für das Gelingen: Das ist ein bisschen wie bei einem Koch, der mit den Ingredienzien zu arbeiten hat, die ihm zur Verfügung stehen. Hat er nur Kartoffeln, dann muss er eben daraus das Beste machen. Sprich, es können auch bescheidene Zutaten sein. Das Sofa Crack 300 beispielsweise, das ich für Machalke entworfen habe, ist relativ preisgünstig und stilistisch „stinknormal“. Trotzdem kennt es jeder, denn es war das Erste, bei dem man den Rücken über den Bezug hinauf- und hinunterklappen konnte, ohne dass man dazu teurere Beschläge benötigte. Das war damals, als es vorgestellt wurde, ein völlig neues Prinzip.

Modell Valentino für Machalke, einer der größten Erfolge von Steven Schilte. © Hersteller

Ein weiteres Beispiel ist das Sofa freistil 183 für Rolf Benz, dessen Elemente sich nicht nur von ihren Farben und Mustern her bunt durcheinanderwürfeln lassen, sondern auch beliebig im Raum angeordnet und zusammengefügt werden können. Oder auch Black Jack, wieder für Machalke. Black Jack „kann“ sehr viel: Dieses Sofa hat ebenfalls einen Flachrücken und darüber hinaus variable Rückenlehnen. Diese sind unsichtbar mit Magneten fixiert und können auf dem Rückenteil bzw. auf den Armteilen platziert, bei Bedarf aber auch abgenommen werden. Damit lassen sich zum einen unterschiedliche Sitz- und Liegepositionen schaffen, zum anderen kann dadurch auch das Erscheinungsbild des Sofas variiert werden, was wiederum seinen ästhetischen Reiz hat. Das Sofa Black Jack ist innovativ, ohne dass die Form darunter leiden würde. Es war einer meiner größten Erfolge – ebenso wie auch Crack 300 und Valentino für Machalke.

 

Wie würden Sie Ihren Designstil beschreiben?

Meine Arbeiten sollen grundlegend schön sein, aber auch eine bestimmte Prise Innovation enthalten, wobei das eine nicht auf Kosten des anderen gehen darf. Ich würde sagen, mein Stil ist innovativ, aber nicht zu experimentell.

 

Arbeiten Sie am Computer, oder zeichnen Sie?

Ich zeichne von Hand!

 

www.stevenschilte.nl

 


ÜBER STEVEN SCHILTE
Der 1962 in den Niederlanden geborene und auch dort lebende Steven Schilte hat an der Designakademie in Eindhoven studiert und zunächst als Produktdesigner für prominente Branchennamen wie Jan des Bouvrie gearbeitet, ehe er sich selbständig machte. Schilte hat Designs für namhafte Hersteller wie Machalke, Lam Lee, WK Wohnen, Ikea, de Sede, Rolf Benz, Bonacina und Molinari abgeliefert und insbesondere das Thema Sofa stark im Fokus. Aber nicht ausschließlich: So war er auch im Lampen- (Steinel) und im Küchendesign (Franke) aktiv. Schiltes Arbeiten sind mehrfach prämiert worden, so etwa vom Pariser Salon du Meuble. Seine Modelle Black Jack und Cinque wurden mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet und zum German Design Prize nominiert. Mit dem ostwestfälischen Hersteller KFF arbeitet Schilte seit 2014 zusammen. Daraus sind bisher die Modellfamilien D-Light und Caal hervorgegangen.


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